Rainer Maria Rilke
Rainer Maria Rilke wurde am 4. Dezember 1875 in Prag, der Hauptstadt Böhmens, das zu Österreich-Ungarn gehörte, geboren. Er erhielt unter anderen die Vornamen René Maria. Seine Mutter hatte im Jahr zuvor eine Frühgeburt und ihre Tochter starb nach einer Woche, weshalb sie ihren Sohn gleichzeitig wie ein Mädchen erzog. Frühe Fotos zeigen ihn in Mädchenkleidern. Im Jahr 1886 ging Rilke nach der katholischen Volksschule auf die Militär-Unterrealschule in St. Pölten. Doch sagte ihm die militärische Disziplin nicht zu und da er kränkelte, brach er die militärische Ausbildung ab. Er besuchte daraufhin die Handelsakademie in Linz, das er 1892 wegen einer Liebesaffäre zu einem älteren Kindermädchen verließ. Rilke ging zurück nach Prag, wo er 1895 das Abitur bestand. Daraufhin studierte er an der deutschen Universität Prag Literatur, Kunstgeschichte und Philosophie. Ein Jahr später wechselte er an die Universität in München. Im Jahr 1897 lernte er Lou Andreas-Salomé kennen und aus ihrer gegenseitigen Liebe wurde eine lebenslange Freundschaft. Er änderte seinen Vornamen René in Rainer. Im Jahr 1900 besuchte Rainer Maria Rilke die Künstlerkolonie in Worpswede, wo er Carla Westhoff begegnete, die er heiratete. Die beiden bekamen eine Tochter, die sie Ruth nannten. Ein Jahr darauf ging Rilke, der nie lange an demselben Ort verweilte, nach Paris, wo er mit seiner Monographie über Auguste Rodin begann, dessen Sekretär er von 1904 bis 1906 wurde. Seine Zeit in Paris verarbeitete Rilke in seinem einzigen Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Nachdem er Paris verlassen hatte, machte er mehrere Reisen durch Europa und Nordafrika. Im Jahr 1910 lud ihn die Prinzessin Marie von Thurn und Taxis, die seine Mäzenin wurde, auf ihr Schloss in Duino ein. Rilke begann in dieser Zeit seine Duineser Elegien zu schreiben. Nach einer kurzen Begeisterung verurteilte Rilke den ersten Weltkrieg. Anfang des Jahres 1916 wurde er zur Infanterie eingezogen, doch bald darauf wieder aus dem Militärdienst entlassen. Am Ende des Krieges siedelte sich Rilke in der Schweiz an. Er fand in Nanny Wunderly-Volkart eine Gönnerin und ihr Cousin Werner Reinhart ließ ihn kostenfrei in dem Schloss von Muzot wohnen. In dieser Zeit schrieb Rilke seine Sonette an Orpheus. Jedoch musste er sich ab dem Jahr 1923 mehreren Sanatoriumsaufenthalten unterziehen. Rainer Maria Rilke starb an den Folgen einer Leukämie am 29. Dezember 1926 in der Klinik Val-Mont in der Nähe von Montreux.