{"id":991,"date":"2015-03-08T10:36:14","date_gmt":"2015-03-08T09:36:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=991"},"modified":"2024-11-02T19:13:34","modified_gmt":"2024-11-02T18:13:34","slug":"interview-adenauerde-gaulle-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=991","title":{"rendered":"Interview: Konrad Adenauer~Charles de Gaulle &#8211; Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Adenauer.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Adenauer.png\" alt=\"Adenauer\" width=\"480\" height=\"60\" class=\"aligncenter size-full wp-image-996\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Adenauer.png 480w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Adenauer-300x38.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Guten Tag, Herr Charles de Gaulle und Herr Konrad Adenauer, ich begr\u00fc\u00dfe Sie beide recht herzlich. Als Thema haben wir Deutschland und sein Verh\u00e4ltnis zu Frankreich gew\u00e4hlt. Was k\u00f6nnen Sie als erstes hierzu sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Konrad Adenauer:<\/span> Seit elf Jahren bin ich Bundeskanzler und glaube es trotz meinem Hohen Alter noch einige Zeit bleiben zu k\u00f6nnen. Das Vertrauen, das ich genie\u00dfe, andererseits meine Vergangenheit, in der ich f\u00fcr Hitler und seine Leute nur Abscheu und Verachtung \u00fcbrig hatte und diese mir und meiner Familie nur \u00dcbles zuf\u00fcgten, geben mir die M\u00f6glichkeit, die Politik Deutschlands in der gew\u00fcnschten Richtung zu f\u00fchren.<\/h3>\n<p>Konrad Adenauer in: Charles de Gaulle, <i>Memoiren der Hoffnung<\/i>, Verlag Fritz Molden, Wien-M\u00fcnchen-Z\u00fcrich, 1971, S.219<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr de Gaulle, was m\u00f6chten Sie auf das von Herrn Adenauer Gesagte antworten?<\/p>\n<h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Charles de Gaulle:<\/span> Ein auff\u00e4lliges Geschick will es, dass in dem Augenblick, da ich die Z\u00fcgel in Paris wieder in die Hand nehme, seit langem schon und noch lange genug Konrad Adenauer an der Spitze der Regierung in Bonn steht, von allen Deutschen der f\u00e4higste und gl\u00fchendste Anh\u00e4nger eines Zusammengehens seines Landes mit Frankreich. Dieser Rheinl\u00e4nder ist ganz von dem durchdrungen, was Gallier und Germanen einander erg\u00e4nzen l\u00e4sst. Dieser Patriot ermisst, welche Berge aus Hass und Misstrauen die frenetischen Ambitionen Hitlers, die die leidenschaftliche Gefolgschaft von Deutschlands Masse und Elite fanden, zwischen seinem Land und seinen Nachbarn auft\u00fcrmten, und er wei\u00df, Frankreich allein kann es erm\u00f6glichen, diese Berge abzutragen.<\/h3>\n<p>Charles de Gaulle, <i>Memoiren der Hoffnung<\/i>, Verlag Fritz Molden, Wien-M\u00fcnchen-Z\u00fcrich, 1971, S.217-218<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Lassen wir uns \u00fcber Deutschland sprechen. Wie sehen Sie, Herr de Gaulle dieses geteilte Land?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Charles de Gaulle:<\/span> Deutschland, dreigeteilt durch das Bestehen einer parlamentarischen Republik im Westen, einer kommunistischen Diktatur im Osten und eines Sonderstatus in Berlin, ausgeliefert den Spannungen, die ein solcher Zustand in seinem Inneren hervorruft, und Haupteinsatz im Rivalit\u00e4tsspiel der beiden Lager. In der entscheidenden Frage des Deutschland zugedachten Schicksals steht meine Meinung fest. Zum einen halte ich es f\u00fcr ungerecht und gef\u00e4hrlich, die tats\u00e4chlichen Grenzen \u00e4ndern zu wollen, die der Krieg ihm aufzwang. Das hei\u00dft, die Oder-Nei\u00dfe-Linie, die es von Polen trennt, ist seine endg\u00fcltige Grenze, von den einstigen Anspr\u00fcchen gegen die Tschechoslowakei kann nichts mehr fortbestehen, es kann keinen neuen Anschluss geben. Des weiteren darf ihm um keinen Preis das Recht auf den Besitz und die Herstellung von Atomwaffen zugestanden werden, auf die es im \u00fcbrigen zu verzichten erkl\u00e4rt hat. Ist dies gew\u00e4hrleistet, dann halte ich es f\u00fcr notwendig, dass Deutschland ein integrierender Bestandteil der organisierten Zusammenarbeit der Staaten wird, die ich f\u00fcr unseren ganzen Kontinent erstrebe. Auf diese Art w\u00e4re die Sicherheit aller zwischen Atlantik und Ural garantiert, und der Zustand der Dinge, Gem\u00fcter und Beziehungen w\u00fcrde sich in einer Weise wandeln, in der die Wiedervereinigung der drei Teile des deutschen Volkes zweifellos ihre Chance f\u00e4nde.<\/h3>\n<p><i>Memoiren der Hoffnung<\/i>, S.202,208,217<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Was wollen Sie, Herr Adenauer, hierzu sagen?<\/p>\n<h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Konrad Adenauer:<\/span> Unter allen Umst\u00e4nden m\u00fcsse festgehalten werden an der rechtlichen Basis, auf der der Status von Berlin beruhe. Wenn Pr\u00e4sident Eisenhower die Frage aufwerfe, was denn aus Berlin werden w\u00fcrde, falls sp\u00e4ter Chruschtschow wiederum irgendeine Attacke mache, so m\u00f6chte ich ihm darauf erwidern, dass ein Verlassen der Rechtsgrundlage von Berlin durch die westlichen M\u00e4chte eine Flucht aus Berlin herbeif\u00fchren w\u00fcrde, w\u00e4hrend die dort lebenden Menschen bisher eben fest auf die Westm\u00e4chte vertraut h\u00e4tten.<\/h3>\n<p>Konrad Adenauer, <i>Erinnerungen 1959-1963<\/i>, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 1978, S.25<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr de Gaulle, was ist Ihre Ansicht zu dem Status von Berlin und den daraufhin erfolgten politischen Ereignissen, die schlie\u00dflich zum Bau der Berliner Mauer f\u00fchrten ?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Charles de Gaulle:<\/span>\u201eSollten die Sowjets eine Krise ausl\u00f6sen\u201c, schreibe ich an Kennedy,\u201ekann nur eine rechtzeitig und deutlich erkennbar von Amerika, England und Frankreich eingenommene Haltung der Festigkeit und Solidarit\u00e4t b\u00f6se Folgen verhindern. Erst nach einer langen Zeit internationaler Entspannung &#8211; und das h\u00e4ngt ausschlie\u00dflich von Moskau ab &#8211; k\u00f6nnten wir mit Russland \u00fcber den ganzen Komplex der deutschen Frage verhandeln.\u201c Den Franz\u00f6sinnen und Franzosen, denen ich \u00fcber die \u00c4therwellen die innere und \u00e4u\u00dfere Lage unseres Landes darlege, erkl\u00e4re ich: \u201eWieder dr\u00e4ut die Perspektive einer Krise am Horizont. Nat\u00fcrlich geht die Sache von den Sowjets aus. Sie erneuern ihre Anma\u00dfung, das Schicksal Berlins einseitig regeln zu wollen, indem sie die Verbindungen der ehemaligen deutschen Hauptstadt und die Lage der dort befindlichen amerikanischen, britischen und franz\u00f6sischen Truppen in Frage stellen, sofern Washington, London und Paris nicht nach sowjetischem Wunsch auf den derzeitigen Status der Stadt verzichten. Das w\u00fcrde auf gar keinen Fall hingenommen werden. Wie ich schon oft sagte, vor allem Herrn Ministerp\u00e4sidenten Chruschtschow im vergangenen Jahr, sollen die Sowjets, wenn sie, wie sie sagen, die Entspannung und Koexistenz wollen, diese zun\u00e4chst einmal m\u00f6glich machen, indem sie ihre Drohungen einstellen! In einer Weltatmosph\u00e4re der Zusammenarbeit der Staaten und der Verst\u00e4ndigung der V\u00f6lker verl\u00f6re ein Problem wie die deutsche Frage seine Sch\u00e4rfe und k\u00f6nnte zu gegebener Zeit von den beteiligten M\u00e4chten objektiv gepr\u00fcft werden. Wer jedoch unter Theaterdonner die Absicht bekundet, \u00fcber Berlin zu verf\u00fcgen, ganz so, als ob drei Gro\u00dfm\u00e4chte dort keine eigenst\u00e4ndigen Rechte h\u00e4tten und als brauchten die Berliner nicht ihr eigener Herr zu sein, der l\u00e4dt sich von vornherein die Verantwortung f\u00fcr die schweren Folgen auf, die sich daraus ergeben k\u00f6nnen. Die Sowjets ziehen die Konsequenzen und wechseln pl\u00f6tzlich ihre Haltung zu Berlin. Im August 1961 wird eine Mauer gebaut, die das russisch besetzte Viertel der Stadt von den durch die drei Westm\u00e4chte besetzten trennt. Damit ist der Fl\u00fcchtlingsstrom aus Ostdeutschland, der dessen Wirtschaftst\u00e4tigkeit schwer belastete, schlagartig abgeschnitten. Gleichzeitig aber zeigt die Errichtung dieser Mauer, dass Moskau nicht mehr auf die ver\u00e4ngstigte Zustimmung der Amerikaner, Briten und Franzosen z\u00e4hlt, um sich der Stadt bem\u00e4chtigen zu k\u00f6nnen.<\/h3>\n<p><i>Memoiren der Hoffnung<\/i>, S.314-315 <\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Im September 1962 kamen Sie zu einem Staatsbesuch in die Bundesrepublik. Was sagten Sie, Herr Adenauer Ihrem Freund hinsichtlich der politischen Ereignisse?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Konrad Adenauer:<\/span> Im Laufe der Unterredung mit de Gaulle sagte ich, ich h\u00e4tte schon mehrfach in den vergangenen Jahren in der \u00d6ffentlichkeit und auch gegen\u00fcber dem sowjetischen Botschafter gesagt, dass f\u00fcr uns das menschliche Problem der siebzehn Millionen in der Zone und der Berliner das Entscheidende sei und erst in zweiter Linie das nationale Problem. Wenn in der Sowjetzone eine Lage entst\u00fcnde, die den Menschen ein Leben in Freiheit und nach ihren W\u00fcnschen erm\u00f6gliche, lasse die Bundesrepublik \u00fcber vieles mit sich sprechen. Das Entscheidende sei das Leben der Menschen nach humanen Gesichtspunkten. De Gaulle erkl\u00e4rte, weiter k\u00f6nne Deutschland nach seiner Ansicht nicht gehen, und mehr k\u00f6nne man von Deutschland nicht verlangen.<\/h3>\n<p>Konrad Adenauer, <i>Erinnerungen 1959-1963<\/i>, S.182<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Ich danke Ihnen beiden f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-991 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='991' data-nonce='d683590826' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-991 lc'>+30<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-991 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Guten Tag, Herr Charles de Gaulle und Herr Konrad Adenauer, ich begr\u00fc\u00dfe Sie beide recht herzlich. 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