{"id":787,"date":"2014-12-01T14:59:32","date_gmt":"2014-12-01T13:59:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=787"},"modified":"2024-11-02T19:15:59","modified_gmt":"2024-11-02T18:15:59","slug":"interview-rahner-das-wort-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=787","title":{"rendered":"Interview: Karl Rahner &#8211; Das Wort Gott"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Ciel1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-804\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Ciel1.jpg\" alt=\"Ciel\" width=\"800\" height=\"100\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Ciel1.jpg 800w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Ciel1-300x37.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Guten Tag, Herr Karl Rahner. Ich freue mich, dass Sie zu unserem Gespr\u00e4ch gekommen sind, in dem wir uns \u00fcber das Wort \u201eGott\u201d unterhalten wollen. Was k\u00f6nnen Sie Grunds\u00e4tzliches zu diesem Wort sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Man hat von Gott keine Erfahrung wie von einem Baum, einem anderen Menschen und \u00e4hnlichen \u00e4u\u00dferen Wirklichkeiten, die ihr Wort durch sich selbst erzwingen, weil sie in unserem Erfahrungsraum einfach vorkommen. Deshalb kann man sagen, das Einfachste und Unausweichliche in der Gottesfrage ist f\u00fcr den Menschen die Tatsache, dass in seinem geistigen Dasein das Wort \u201eGott\u201d gegeben ist. Ob seine Geschichte von einer anderen Gestalt des Wortes ausging, das mag dahingestellt sein, jedenfalls spiegelt die jetzige Gestalt des Wortes das wider, was mit dem Wort gemeint ist: der Unsagbare, der Namenlose, der nicht in die benannte Welt als ein Moment an ihr einr\u00fcckt.<\/h3>\n<p>Karl Rahner, <i>Gnade als Freiheit<\/i>, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 1968, S.11-13<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Auch Atheisten gebrauchen das Wort \u201eGott\u201d.<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Es wird immer auch vom Atheisten neu gesetzt, wenn er sagt, es gebe keinen Gott und so etwas wie Gott habe gar keinen angebbaren Sinn, wenn er ein Gottlosenmuseum gr\u00fcndet, den Atheismus zu einem Parteidogma erhebt und sich noch anderes ausdenkt.<\/h3>\n<p><i>Gnade als Freiheit<\/i>, S.12<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Und nehmen wir die M\u00f6glichkeit an, dass das Wort \u201eGott\u201d eines Tages verschwindet und durch kein anderes Wort ersetzt wird. Was k\u00f6nnen Sie zu dieser Zukunft sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Wenn man diese Zukunftshypothese ernst nimmt, dann ist der Mensch nicht mehr vor das eine Ganze der Wirklichkeit als solcher und nicht mehr vor das eine Ganze seines Daseins als solchem gebracht. Er w\u00fcrde nicht mehr merken, dass er nur einzelnes Seiendes, aber nicht das Sein \u00fcberhaupt bedenkt. Er w\u00fcrde in der Welt und in sich steckenbleiben, aber nicht mehr jenen geheimnisvollen Vorgang vollziehen, der er ist. Wir k\u00f6nnen nur sagen: Er w\u00fcrde aufh\u00f6ren, ein Mensch zu sein. Er h\u00e4tte sich zur\u00fcckgekreuzt zum findigen Tier.<\/h3>\n<p><i>Gnade als Freiheit<\/i>, S.14-15<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Nehmen wir die zweite M\u00f6glichkeit an, das Wort \u201eGott\u201d bleibt. Was gibt es hierbei zu bedenken?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Es ist nicht so, dass wir zun\u00e4chst einmal, je als Einzelne aktiv handelnd, \u201eGott\u201d denken, und es <em>so<\/em> zum erstenmal in den Raum unseres Daseins einr\u00fccken. Sondern wir h\u00f6ren erleidend das Wort \u201eGott\u201d. Es ist da. Es kommt aus jenen Urspr\u00fcngen, aus denen der Mensch selbst herkommt, man kann sein Ende nur mit dem Tod des Menschen als solchen zusammen denken. Es kann noch eine Geschichte haben, deren Gestaltwandel wir uns nicht im voraus denken k\u00f6nnen, gerade weil es selbst die unverf\u00fcgbare, ungeplante Zukunft offenh\u00e4lt. Es ist die \u00d6ffnung in das unbegreifliche Geheimnis. Es \u00fcberanstrengt uns, es mag uns gereizt machen ob der Ruhest\u00f6rung in einem Dasein, das den Frieden des \u00dcbersichtlichen, Klaren, Geplanten haben will.<\/h3>\n<p><i>Gnade als Freiheit<\/i>, S.17<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Sie haben geschrieben <i>Gott ist keine naturwissenschaftliche Formel<\/i>, was wollten Sie damit zum Ausdruck bringen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Karl Rahner<\/span> Gott ist nicht \u201eetwas\u201e neben anderem, das mit diesem anderen in ein gemeinsames, homogenes System einbegriffen werden kann. \u201eGott\u201d sagen wir und meinen das <i>Ganze<\/i>, aber nicht als nachtr\u00e4gliche Summe der Ph\u00e4nomene, die wir untersuchen, sondern das Ganze in seinem unverf\u00fcgbaren Ursprung und Grund, der unumfasslich, unumgreiflich, unsagbar hinter, vor und \u00fcber jenem Ganzen liegt, zu dem wir selbst und auch unser experimentierendes Erkennen geh\u00f6ren. Und in jedem Leben, auch des exakten Naturwissenschftlers und Technikers, kommen in die Mitte des Daseins zielende Augenblicke, in denen ihn die Unendlichkeit anblickt und anruft. Man kann das Leben, insofern man zwischen diesem und jenem hindurchfinden muss, mit Formeln der Wissenschaft meistern. Wenigstens auf weite Strecken mag das gelingen, und man greift gl\u00fccklicherweise morgen noch ein gutes St\u00fcck weiter. Der Mensch selbst aber gr\u00fcndet im Abgrund, den keine Formel mehr auslotet. Man kann den Mut haben, diesen Abgrund zu erfahren als das heilige Geheimnis der Liebe. Dann kann man es Gott nennen.<\/h3>\n<p><i>Gnade als Freiheit<\/i>, S.19,22,23<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Karl Rahner, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-787 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='787' data-nonce='166a765446' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-787 lc'>+50<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-787 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Guten Tag, Herr Karl Rahner. Ich freue mich, dass Sie zu unserem Gespr\u00e4ch gekommen sind, in dem wir uns \u00fcber das Wort \u201eGott\u201d unterhalten wollen. Was k\u00f6nnen Sie Grunds\u00e4tzliches zu diesem Wort sagen? 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