{"id":414,"date":"2014-05-10T14:55:29","date_gmt":"2014-05-10T13:55:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=414"},"modified":"2024-11-02T19:23:00","modified_gmt":"2024-11-02T18:23:00","slug":"interview-de-beauvoirsartre-feminismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=414","title":{"rendered":"Interview: Simone de Beauvoir~Jean-Paul Sartre &#8211; Feminismus"},"content":{"rendered":"<h3><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/roses.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-418\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/roses.jpg\" alt=\"roses\" width=\"800\" height=\"100\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/roses.jpg 800w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/roses-300x37.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Guten Tag, Frau Simone de Beauvoir und Herr Jean-Paul Sartre. Ich begr\u00fc\u00dfe Sie herzlich zu diesem Gespr\u00e4ch, das wir dem Feminismus widmen wollen und der Frage, wie es im Jahr 1975 um ihn stand. Sie, Frau de Beauvoir haben in Ihrem Buch <i>Das andere Geschlecht<\/i> ausf\u00fchrlich \u00fcber die Gleichwertigkeit zwischen Frau und Mann geschrieben. Was k\u00f6nnen Sie zu dieser sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Simone de Beauvoir:<\/span> Es gibt viele Frauen, die sich ihrer Unterdr\u00fcckung gar nicht bewusst sind, die es ganz nat\u00fcrlich finden, dass sie allein die gesamte Hausarbeit tun und dass auf ihnen fast die ganze Sorge f\u00fcr die Kinder lastet. Es ist das Problem, das sich den Frauen von der Frauenbewegung stellt, wenn sie zum Beispiel mit Arbeiterinnen zu tun haben, die einerseits in der Fabrik, in der sie arbeiten, und andererseits zu Hause von ihren M\u00e4nnern ausgebeutet werden.<\/h3>\n<p>Simone de Beauvoir, in: Jean Paul Sartre, <i>Sartre \u00fcber Sartre. Autobiographische Schriften<\/i>, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Juli 1985, S.173<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Was die Arbeiterfrau betrifft, sehen Sie beide hierbei eher ein Problem ihrer Klasse oder ihres Geschlechts?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Jean-Paul Sartre:<\/span> Der Hauptkonflikt ist der des Kampfes der Geschlechter und der kleinere der des Klassenkampfes. Je mehr die Frau einer doppelten Unterdr\u00fcckung ausgesetzt ist, um so mehr Priorit\u00e4t hat der Kampf der Geschlechter.<\/h3>\n<p><i>Sartre \u00fcber Sartre<\/i>, S.174<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Simone de Beauvoir:<\/span> Aber ich erinnere mich, als Frauen von der Frauenbewegung und Arbeiterfrauen anwesend waren, und wir auf die Unterdr\u00fcckung zu sprechen kamen, der sie durch ihre M\u00e4nner ausgeliefert waren, sie uns sehr deutlich sagten, dass sie sich ihren M\u00e4nnern, den Arbeitern, sehr viel n\u00e4her f\u00fchlten als b\u00fcrgerlichen Frauen.<\/h3>\n<p><i>Sartre \u00fcber Sartre<\/i>, S.174<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Was sollte von daher gesehen f\u00fcr die Emanzipation der Arbeiterfrauen getan werden?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Simone de Beauvoir:<\/span> Man sieht eine gewisse Verbindung zwischen dem Klassenkampf und dem Kampf der Geschlechter, sobald die Frauen sich zu Bewegungen zusammentun, um berufliche Forderungen zu stellen. Vor zwei oder drei Jahren gab es in Troyes einen Streik. Die Arbeiterinnen, die den Streik anf\u00fchrten, erkl\u00e4rten den Vertreterinnen der Frauenbewegung, die sie befragten, spontan und temperamentvoll: \u201eJetzt, wo wir begriffen haben, wie man sich auflehnt, werden wir uns auch zu Hause nicht mehr auf die F\u00fc\u00dfe treten lassen! Das gibt&rsquo;s jetzt nicht mehr, dass unsere M\u00e4nner den kleinen Chef spielen!\u201d<\/h3>\n<p><i>Sartre \u00fcber Sartre<\/i>, S.175<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Kommen wir nun auf Ihre pers\u00f6nliche Beziehung zu Sartre zu sprechen. Da er anwesend ist, haben Sie die Gelegenheit, ihn direkt anzusprechen. Ich bitte Sie, dieses zu tun.<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Simone de Beauvoir:<\/span> Ich muss sagen, dass Sie mich nie unterdr\u00fcckt und mir gegen\u00fcber nie eine \u00dcberlegenheit herausgekehrt haben. Wenn wir Ihren Machismus nuancieren, ist es wichtig, in Betracht zu ziehen, dass es zwischen uns niemals Inferiorit\u00e4ts- und Superiorit\u00e4tsbeziehungen gegeben hat, wie sie zwischen Mann und Frau so h\u00e4ufig sind.<\/h3>\n<p><i>Sartre \u00fcber Sartre<\/i>, S.170<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Sartre, was wollen Sie hierauf sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Jean-Paul Sartre<\/span>: Ich war es schlie\u00dflich, der die Beziehungen auf die eine oder andere Ebene hob, vorausgesetzt nat\u00fcrlich, dass die Frau einverstanden war. Aber ich war derjenige, der die F\u00fchler ausstreckte. Und ich hielt den Machismus nicht f\u00fcr etwas, was urs\u00e4chlich mit meiner Rolle als Mann zusammenhing. Ich hielt ihn f\u00fcr ein besonderes Charakteristikum meiner Person.<\/h3>\n<p><i>Sartre \u00fcber Sartre<\/i>, S.169<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Ihr Machismus war also ein Ausdruck Ihres individuellen Charakters und kein Standpunkt. Und wie beurteilen Sie Ihre Beziehung zu Simone de Beauvoir?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Jean-Paul Sartre:<\/span> Gerade in unserer Beziehung habe ich die Erfahrung gemacht und erkannt, dass es Beziehungen zwischen Mann und Frau gibt, die auf die letztlich bestehende Gleichheit beider Geschlechter hinweisen. Wir waren ebenb\u00fcrtig. Es ist seltsam, aber ich glaube, dass dies meinen Machismus in gewisser Weise verst\u00e4rkt hat, weil es mir erlaubte, anderen Frauen machistisch zu begegnen. Indessen erschien mir die Gleichwertigkeit zwischen uns nicht nur als faktische Gleichwertigkeit zweier Individuen, sondern sie schien mir die letztlich bestehende Gleichwertigkeit beider Geschlechter zu offenbaren.<\/h3>\n<p><i>Sartre \u00fcber Sartre<\/i>, S.170<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Ich danke Ihnen beiden f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-414 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='414' data-nonce='166a765446' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-414 lc'>+103<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-414 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Guten Tag, Frau Simone de Beauvoir und Herr Jean-Paul Sartre. 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