{"id":3321,"date":"2026-09-12T16:58:42","date_gmt":"2026-09-12T15:58:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=3321"},"modified":"2026-09-12T17:16:24","modified_gmt":"2026-09-12T16:16:24","slug":"karl-rahner-der-anonyme-christ","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=3321","title":{"rendered":"Karl Rahner &#8211; Der anonyme Christ"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/anonyme_Christ.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/anonyme_Christ.png\" alt=\"\" width=\"803\" height=\"97\" class=\"alignnone size-full wp-image-3325\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/anonyme_Christ.png 803w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/anonyme_Christ-300x36.png 300w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/anonyme_Christ-768x93.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 803px) 100vw, 803px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Guten Tag, Herr Karl Rahner, ich freue mich, Sie zu diesem Gespr\u00e4ch begr\u00fc\u00dfen zu k\u00f6nnen, in dem wir \u00fcber den Begriff des anonymen Christen sprechen werden. Das Wort anonymer Christ unterlag der Kritik, weil es von Jesus Christus als die Mitte des Christseins ablenken w\u00fcrde. Was wollen Sie als erstes hierzu sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff; \">Karl Rahner:<\/span> Was eigentlich die wirkliche Mitte der christlichen Botschaft sei, dar\u00fcber denken wir viel zu wenig nach. Man kann nat\u00fcrlich und mit Recht sagen, diese Mitte sei Jesus von Nazareth, der Gekreuzigte und Auferstandene, nach dem wir Christen uns doch nennen. Aber wenn das wahr ist und hilfreich sein soll, dann muss doch gesagt werden, warum und wie dieser Jesus der sei, auf den man allein sich im Leben und Sterben verlassen k\u00f6nne. Was muss man aber auf diese Frage antworten? Wenn diese Antwort nicht das Bekenntnis w\u00e4re, dass die eigentliche Selbstmitteilung des unendlichen Gottes \u00fcber alle kreat\u00fcrliche Wirklichkeit und endliche Gabe Gottes hinaus das sei, was durch Jesus und ihn allein uns zugesagt, angeboten und garantiert ist, dann k\u00f6nnte die Wirklichkeit Jesu, weil sie ja in sich und in ihrer Botschaft im Endlichen und Kontigenten bliebe, vielleicht <i>eine<\/i>, vielleicht die beste, eben die jesuanische Religion begr\u00fcnden, aber nicht die absolute, allen Menschen im Ernst zudenkbare Religion.\u201c <\/h3>\n<p>Karl Rahner, <i>Erfahrungen eines katholischen Theologen<\/i>, in: Karl Lehmann (Hg.) Schriftenreihe der Katholischen Akademie der Erzdi\u00f6zese Freiburg, M\u00fcnchen\/Z\u00fcrich 1984, S.138<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Wie w\u00fcrden Sie daher die Mitte f\u00fcr einen Christen beschreiben?<\/h3>\n<h3><span style=\" color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Die eigentliche und einzige Mitte des Christentums und seiner Botschaft ist darum f\u00fcr mich die wirkliche Selbstmitteilung Gottes in seiner eigensten Wirklichkeit und Herrlichkeit an die Kreatur,ist das Bekenntnis zu der unwahrscheinlichsten Wahrheit, dass Gott selbst mit seiner unendlichen Wirklichkeit und Herrlichkeit, Heiligkeit, Freiheit und Liebe wirklich ohne Abstrich bei uns selbst in der Kreat\u00fcrlichkeit unserer Existenz ankommen kann und alles andere, was das Christentum anbietet oder von uns fordert, demgegen\u00fcber nur Vorl\u00e4ufigkeit oder sekund\u00e4re Konsequenz ist.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.138-139<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Was ist somit f\u00fcr Sie bei dieser Selbstmitteilung und Erfahrung Gottes von hoher Wichtigkeit?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Diese Erfahrung ist keine blo\u00dfe Stimmung, keine unverbindliche Sache des Gef\u00fchls und der Poesie. Denn sie ist unaufhebar, wenn auch noch so unreflektiert und anonym; in jedem, auch dem rationalsten geistigen Vollzug gegeben,  weil jeder solche Vollzug lebt vom alles \u00fcbersteigenden Vorgriff auf das Ganze, das eines und das namenloses Geheimnis ist.<\/h3>\n<p>Karl Rahner <i>Gotteserfahrung heute<\/i>,in: <i>Gott in dieser Zeit<\/i>, C.H. Beck\u2019sche Veragsbuchhandlung, M\u00fcnchen 1972, S.11<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Und was ist hierbei die Aufgabe der Theologie?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Aber wenn auch die Theologie bei uns nur nachdenkt, wie die kirchlich und sakramental Betreuten vor das Angesicht Gottes selber kommen, m\u00fcsste sie sehr viel mehr dar\u00fcber nachdenken, wie man sich einigerma\u00dfen die Odyssee aller Menschen, auch der primitivsten vor einer Million Jahren, auch der Nichtchristen und selbst der Atheisten so denken k\u00f6nne, dass sie in Gott selbst m\u00fcndet.<\/h3>\n<p>Karl Rahner <i>Erfahrungen eines katholischen Theologen<\/i>, <i>a.a.O.<\/i>, S.139<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Was ist daher f\u00fcr Sie als christlicher Theologe wichtig?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> In einem Zeitpunkt, an dem das Christentum wirklich real so verfasst sein kann und muss, dass es den Menschen in allen Kulturen und zu allen Zeiten angeboten werden kann, muss eben doch \u00fcber das \u201eanonyme\u201c Christentum \u00fcberall und zu allen Zeiten nachgedacht werden, auch wenn mir an dem umstrittenen Wort als solchem nichts liegt.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.140<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Da das Heilsangebot Gottes f\u00fcr alle Menschen seine G\u00fcltigkeit hat, kann ein anonymer Christ, um bei diesem Wort zu bleiben, das Heil empfangen. Wollen Sie als katholischer Theologe dem etwas hinzuf\u00fcgen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Die Grenzen des Reiches Gottes fallen nicht einfach zusammen mit den Grenzen zwischen den Konfessionen oder zwischen den \u201epraktizierenden\u201c und \u201enichtpraktizierenden\u201c Katholiken. Nicht als ob es nicht Gottes Wille w\u00e4re, dass man Katholik sei und ein \u201epraktizierender\u201c. Aber unter diesen Katholiken sind nicht alle wahrhaft Kinder des Reiches.<\/h3>\n<p>Karl Rahner <i>Glaube, der die Erde liebt<\/i>, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 1966, S.103<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Auf was kommt es f\u00fcr Sie also an, damit das Reich Gottes einem Katholiken oder genauso einem nicht an Gott glaubenden Menschen offen steht?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Die Geduld, die Bescheidenheit, die N\u00e4chstenliebe, die Ehrlichkeit und alle jene Tugenden, in denen oft die Kinder der Welt uns zu \u00fcbertreffen scheinen. Wir sollten Ausschau halten nach den Menschen, die Gott nahe sind, ohne dass sie es wissen. Vom Aufgang und Niedergang ziehen Menschen ins Gottesreich auf Stra\u00dfen, die in keiner amtlichen Karte verzeichnet sind.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.104<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span>Herr Karl Rahner, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-3321 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='3321' data-nonce='7b6a76b240' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-3321 lc'>0<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-3321 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Guten Tag, Herr Karl Rahner, ich freue mich, Sie zu diesem Gespr\u00e4ch begr\u00fc\u00dfen zu k\u00f6nnen, in dem wir \u00fcber den Begriff des anonymen Christen sprechen werden. 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