{"id":3302,"date":"2026-05-25T15:24:44","date_gmt":"2026-05-25T14:24:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=3302"},"modified":"2026-09-10T14:00:12","modified_gmt":"2026-09-10T13:00:12","slug":"karl-rahner-die-gotteserfahrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=3302","title":{"rendered":"Karl Rahner &#8211; Die Gotteserfahrung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sandkorn_klein.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sandkorn_klein.png\" alt=\"\" width=\"1002\" height=\"124\" class=\"alignnone size-full wp-image-3307\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sandkorn_klein.png 1002w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sandkorn_klein-300x37.png 300w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Sandkorn_klein-768x95.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1002px) 100vw, 1002px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Guten Tag, Herr Karl Rahner. Ich freue mich, dass Sie zu diesem Gespr\u00e4ch gekommen sind, in dem wir uns vorgenommen haben, \u00fcber die Gotteserfahrung zu sprechen. Heute ist der Atheismus f\u00fcr viele Menschen selbstverst\u00e4ndlich. Was wollen Sie zu dieser Tatsache im Zusammenhang einer Erfahrung Gottes sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff; \">Karl Rahner:<\/span> Das Wort Gotteserfahrung bedeutet, dass das, was wir Gott nennen, eine Wirklichkeit ist und wir mit dieser Wirklichkeit zu tun haben, dass also der Atheismus, ein skeptischer Positivismus, der den Menschen schlechthin auf die naturwissenschaftlich zug\u00e4nglichen Daten einengt, eine Theologie der absoluten Ferne Gottes, des \u00ab\u00a0Gott ist tot\u00a0\u00bb im vulg\u00e4ren Sinn des Wortes falsch sind, den Menschen und seine Wirklichkeit verkennen.<\/h3>\n<p>Karl Rahner, <i>Gott in dieser Zeit<\/i>, Verlag C. H. Beck, M\u00fcnchen, 1972, S.1<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Wie w\u00fcrden Sie daher die Wirklichkeit des Menschen beschreiben?<\/h3>\n<h3><span style=\" color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Es waltet in jedem Leben ein Unsagbares, das Geheimnis. Dieses ist nicht der Rest an Noch-nicht-Durchschautem oder Noch-nicht-Getanem und -Verwirklichtem, sondern dessen Voraussetzung und tragender Grund. Denn eben der Vorgriff \u00fcber jedes konkrete Denkbare und Verwirklichbare hinaus, die grunds\u00e4tzliche Unbegrenzbarkeit jeder Bewegung der Erkenntnis und Freiheit durch ein Einzelnes, Bestimmtes, endg\u00fcltigen Haltepunkt Bedeutendes ist die Bedingung der M\u00f6glichkeit und der Eigenart menschlichen Daseinsvollzugs.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.7<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> K\u00f6nnen Sie das soeben Gesagte noch weiter ausf\u00fchren?<\/h3>\n<p>.<\/p>\n<h3><span style=\" color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Wenn wir uns <i>als<\/i> die Begrenzten begreifen, die wir in radikaler, vielf\u00e4ltiger Weise sind, haben wir uns als die dauernd Sich-selbst-\u00dcberschreitenden erfahren auf das Unumfassbare hin, das eben als grunds\u00e4tzlich solches unendlich genannt werden muss, das das Geheimnis schlechthin ist, weil es als Bedingung allen Begreifens, Unterscheidens, Einordnens nicht nochmals in <i>der<\/i> Weise erfahren werden kann, f\u00fcr die es selbst die Bedingung ist. Es ist gegeben als das bleibende Geheimnis.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> So sind die Erfahrungen, die ein Mensch mit dem bleibenden Geheimnis macht, unterschiedlichster Art. Was k\u00f6nnen Sie zu diesen unz\u00e4hlbaren Gotteserfahrungen sagen? <\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Man m\u00fcsste noch viel konkreter werden, konkret nicht in einem Sich-Verlieren in die Einzelheiten der \u00e4u\u00dferen Welt, sondern in jener  einfachen Dichte letzter und doch \u00fcberall im Alltag gegebener Erfahrung, in der der Mensch immer, mit den Sandk\u00f6rnern des Strandes besch\u00e4ftigt, am Rand des unendlichen Meeres des Geheimnisses wohnt.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.10<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Das ist sehr poetisch ausgedr\u00fcckt. Wollen Sie, Herr Karl Rahner, diesem noch etwas hinzuf\u00fcgen?<\/i><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Diese Erfahrung ist keine blo\u00dfe Stimmung, keine unverbindliche Sache des Gef\u00fchls und der Poesie. Denn sie ist unaufhebar, wenn auch noch so unreflektiert und anonym, in jedem, auch dem rationalsten geistigen Vollzug gegeben, weil jeder solche Vollzug lebt vom alles \u00fcbersteigenden Vorgriff auf das Ganze, das eines und das namenloses Geheimnis ist.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.11<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Und was ist hierbei die gesellschaftliche Dimension?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Man kann auch nicht sagen, man solle \u00fcber sie schweigen, weil man nicht \u00ab\u00a0klar\u00a0\u00bb \u00fcber sie reden k\u00f6nne. Denn was ist klar? Hat man nicht schon dar\u00fcber geredet, wenn man das Reden dar\u00fcber verbietet. Und wenn die rationalistischen Philosophen und Positivisten nicht dar\u00fcber reden wollen, werden die Heiligen, die Dichter und andere Offenbarer des <i>ganzen<\/i> vollen Daseins sich deswegen das Reden verbieten lassen?<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> K\u00f6nnen Sie diesen Aspekt weiter ausf\u00fchren?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Man sage auch nicht, dass diese Erfahrung f\u00fcr die gesellschaftliche \u00d6ffentlichkeit belanglos sei. Religion, die immer von dieser Erfahrung lebt, ist eine gesellschaftliche Realit\u00e4t, selbst wenn der Atheist meinen sollte, diese Realit\u00e4t w\u00e4re besser nicht.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Rahner, wir sollten auch von fr\u00fcheren, nun der Vergangenheit angeh\u00f6renden Gotteserfahrungen sprechen.<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Der Mensch von fr\u00fcher ordnete Gott eben als ein St\u00fcck in seine Welt ein, auch wenn er dabei sagte, dass dieses \u00ab\u00a0St\u00fcck\u00a0\u00bb das H\u00f6chste und Vollkommenste sei, von dem alles andere abh\u00e4nge. Gott wurde als Teil der Welt erlebt, und die Lehre von ihm leicht von jedermann prakitabel: der \u00ab\u00a0liebe Gott\u00a0\u00bb, der als ein Weltregent f\u00fcr Moral sorgt und auch wieder gn\u00e4dig sein kann.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.12<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Und was ist dem heutigen Menschen bewusst geworden?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Jetzt ist auch dem Durchschnittsmenschen deutlich geworden, dass es <i>diesen<\/i> Gott nicht gibt, dass er in der Welt nicht zu finden ist, dass sein Himmel nicht \u00fcber den Wolken ist, dass Wunder nicht zur Behebung von St\u00f6rungen der Weltmaschinerie dienen, sondern dass er, mit der Welt absolut inkommensurabel, nicht als Einzelposten in unsere Kalkulation eingesetzt werden kann.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Und was wollen Sie von daher zu den Rationalisten sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Die rationale Durchschauung der Welt, die diese entg\u00f6ttlicht, ist durchaus legitim, vorausgesetzt nur, dass diese Entg\u00f6ttlichung der die Welt langsam immer mehr erfahren wird als getragen von jener Transzendierung von Welt und endlichem Subjekt, in der die wahre Gotteserfahrung geschieht. Die <i>heutige<\/i> Gotteserfahrung ist viel deutlicher und radikaler als die fr\u00fchere eine Transzendenzerfahrung, die die Welt entg\u00f6ttlicht und so Gott &#8211; Gott sein lassen kann.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.13 <\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Und was wollen Sie als Christ hinzuf\u00fcgen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Karl Rahner:<\/span> Die letzte Tiefe dieser Gotteserfahrung, die wir anzurufen versuchten, ist gerade die Erfahrung einer unsagbaren N\u00e4he Gottes, der bei aller anzubetenden Unbegreiflichkeit, die bleibt, sich selbst in Unmittelbarkeit verg\u00f6ttlichend und vergebend dem Menschen mitteilt und nicht nur &#8211; der ewig fernbleibende Richtpunkt aller menschlichen Bewegung ist. Diese radikale Tiefe der Gotteserfahrung wird aber gerade im Christentum deutlich ergriffen als Gnade und als sich in Jesus Christus siegreich durchsetzend und geschichtlich bezeugend verstanden.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.15<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Karl Rahner, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-3302 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='3302' data-nonce='37af014758' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-3302 lc'>0<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-3302 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Guten Tag, Herr Karl Rahner. 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Januar 1953 in Heidelberg geboren. Mit sechs Jahren kam ich in die Friedrich List Schule in Frankfurt Nied. Im Jahr 1972 machte ich an der Main-Taunus-Schule in Hofheim mein Abitur. Danach studierte ich an der Johann Wolfgang Goethe - Universit\u00e4t in Frankfurt am Main Franz\u00f6sisch und Sozialkunde f\u00fcr das Lehramt und bestand die Erste Staatspr\u00fcfung im Jahr 1976 mit der Note gut. Im selben Jahr heiratete ich einen Franzosen und zog nach Paris. Durch meine Heirat trage ich den Namen Christa Duris Stadler. Im Jahr 1977 wurde mein Sohn Daniel geboren und im Jahr 1982 mein Sohn David. Ab dem Studienjahr 1983-1984 studierte ich Deutsch an der Universit\u00e4t in Paris X - Nanterre. Nach meinem Dipl\u00f4me d'\u00e9tudes approfondies mit mention: bien begann ich meinen Doctorat. Am 7. Januar 1994 promovierte ich mit meiner Doktorarbeit: L'Allemagne vue \u00e0 travers des p\u00e9riodiques protestants fran\u00e7ais (1933 -1940). Seit dem Jahr 2013 betreibe ich eine Webseite mit dem Titel: Ber\u00fchmte Menschen, immer noch aktuell (https:\\\/\\\/www.einjahrzitate.de), auf der ich unter dem Namen Orelie fiktive Gespr\u00e4che mit ber\u00fc\u1e27mten Personen f\u00fchre. Ich habe auch einen Roman Wirklichkeit und Entscheidungen geschrieben und habe mittlerweile einen weiteren begonnen, der in den siebziger und achtziger Jahren in der Bundesrepublik Deutschland spielt. Zusammen mit meinem Ehemann bin ich, \u00fcber die Organisation Partage, Patin eines M\u00e4dchens in Brasilien. 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