{"id":3246,"date":"2025-11-30T11:42:58","date_gmt":"2025-11-30T10:42:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=3246"},"modified":"2025-11-30T12:07:07","modified_gmt":"2025-11-30T11:07:07","slug":"albert-camus-die-revolte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=3246","title":{"rendered":"Albert Camus &#8211; Die Revolte"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rote_blume.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rote_blume.png\" alt=\"\" width=\"1199\" height=\"150\" class=\"alignnone size-full wp-image-3252\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rote_blume.png 1199w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rote_blume-300x38.png 300w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rote_blume-1024x128.png 1024w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rote_blume-768x96.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1199px) 100vw, 1199px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Guten Tag, Herr Albert Camus. Ich freue mich, dass Sie zu diesem Gespr\u00e4ch gekommen sind. Wir wollen \u00fcber Ihre Auslegung des Begriffs der Revolte sprechen. Was wollen Sie als erstes hierzu sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Albert Camus:<\/span> Die Bewegung der Revolte ruht auf der dunklen Gewissheit eines guten Rechts, oder genauer auf dem Eindruck des Revoltierenden, ein Recht zu haben auf. In gewisser Weise stellt er der Ordnung, die ihn bedr\u00fcckt, eine Art Recht entgegen, nicht bedr\u00fcckt zu werden \u00fcber das hinaus, was er zulassen kann.<\/h3>\n<p>Albert Camus, <i> Der Mensch in der Revolte<\/i>, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Juli 1969, S.21<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Auch verteidigt der Revoltierende gleichzeitig einen Wert.<\/h3>\n<h3><span style=\" color:#3366ff;\">Albert Camus:<\/span> Jede Revolte enth\u00e4lt eine v\u00f6llige und unmittelbare Zustimmung des Menschen zu einem Teil seiner selbst. Er l\u00e4sst also unausgesprochen ein Werturteil einflie\u00dfen. Bisher schwieg er zum mindesten, jener Verzweiflung hingegeben, in welcher eine Lebensbedingung, selbst wenn man sie f\u00fcr ungerecht h\u00e4lt, hingenommen wird. Die Verzweiflung beurteilt und begehrt alles im allgemeinen und nichts im bsonderen. Das Schweigen dr\u00fcckt sie gut aus. Doch vom Augenblick an, wo sie spricht, begehrt und beurteilt sie. Wer revoltiert, macht kehrt. Er stellt das Vorzuziehende dem Nichtvorzuziehenden gegen\u00fcber. Nicht jeder Wert l\u00f6st die Revolte aus, doch jede revoltierende Bewegung ruft stillschweigend einen Wert an.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.21-22<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> So kommt es zu einer Bewusstwerdung. Sie erk\u00e4ren dies am Beispiel des Sklaven.<\/h3>\n<h3><span style=\" color:#3366ff;\">Albert Camus:<\/span> Eine Bewusstwerdung w\u00e4chst aus der Bewegung der Revolte: die pl\u00f6tzlich durchbrechende Erkenntnis, dass im Menschen etwas ist, womit der Mensch sich identifizieren kann. Diese Identifizierung wurde bis jetzt nicht wirklich gef\u00fchlt. Alle Erpresssungen vor der Aufstandsbewegung hat der Sklave geduldet. Oft hatte er emp\u00f6rendere Befehle erhalten als denjenigen, der seine Weigerung ausl\u00f6ste. Er nahm sie mit Geduld auf, mehr um sein unmittelbares Interesse bek\u00fcmmert als seines Rechtes schon bewusst. Mit dem Verlust der Geduld beginnt eine Bewegung, die sich auf alles erstrecken kann. Im Augenblick, da er den dem\u00fctigenden Befehl seines Oberen zur\u00fcckweist, weist der Sklave auch sein Sklavendasein zur\u00fcck. Er \u00fcberschreitet sogar die Grenze, die er seinem Gegner gezogen, indem er jetzt als Ebenb\u00fcrtiger behandelt zu werden verlangt. Was zuerst ein unbeugsamer Widerstand des Menschen war, wird nun der ganze Mensch, der sich mit ihm identifiziert und sich darin erf\u00fcllt. Diesen Teil seiner selbst stellt er nun \u00fcber den Rest und verk\u00fcndet laut, ihn allem, selbst dem Leben, vorzuziehen.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.22<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Er ist also bereit, seinen eigenen Tod in Kauf zu nehmen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Albert Camus:<\/span> Wenn das Individuum tats\u00e4chlich im Lauf der Revolte den Tod auf sich nimmt, so zeigt es dadurch, dass es sich opfert zugunsten eines Gutes, von dem es glaubt, dass es \u00fcber sein eigenes Geschick hinausreicht. Es handelt also im Namen eines noch ungekl\u00e4rten Wertes, von dem es jedoch zum mindesten f\u00fchlt, dass er ihm und allen anderen Menschen gemeinsam ist.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.23<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> K\u00f6nnen Sie au\u00dferdem etwas zu diesem noch ungekl\u00e4rten Wert sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Albert Camus:<\/span> Es ist wichtig, dass dieser Wert, der vor jeder Handlung vorausbesteht, den rein historischen Philosophien widerspricht, nach welchen ein Wert erst am Ende einer Handlung gewonnen wird.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.24<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Albert Camus, Sie haben am Beispiel des Sklaven deutlich gemacht, wie die Revolte zu verstehen ist. K\u00f6nnen Sie das weiter ausf\u00fchren?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Albert Camus:<\/span> Ein Leibeigener, ein Condottiere der Renaissance, ein Pariser B\u00fcrger zur Zeit der R\u00e9gence, ein russischer Intellektueller um 1900 und ein Arbeiter unserer Tage w\u00fcrden, selbst wenn sie \u00fcber die Gr\u00fcnde der Revolte uneins w\u00e4ren, ohne jeden Zweifel \u00fcber ihre Berechtigung einer Meinung sein.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.28<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> K\u00f6nnen wir sagen, dass sie einer Meinung sind, weil die Revolte einen gemeinsamen Wert verteidigt?I<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Albert Camus:<\/span> Die Grundlage dieses Wertes ist die Revolte selbst. Die Solidarit\u00e4t der Menschen gr\u00fcndet in der Bewegung der Revolte, und sie findet ihrerseits die Rechtfertigung nur in dieser Komplicenschaft. Um zu sein, muss der Mensch revoltieren, doch muss seine Revolte die Grenze wahren, die sie in sich selbst findet und wo die Menschen, wenn sie sich zusammenschlie\u00dfen, zu sein beginnen. Das Denken der Revolte kann also nich auf das Ged\u00e4chtnis verzichten, sie ist eine unaufh\u00f6rliche Spannung. Wenn wir sie in ihren Werken und ihren Taten verfolgen, haben wir jedesmal festzustellen, ob sie ihrem urspr\u00fcnglichen Adel treu bleibt oder ob sie ihn im Gegenteil, aus Ermattung und Geistesverwirrung, vergisst in einem Rausch von Tyrannei oder Knechtschaft.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.30-31<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> So muss der Wert der Ebenb\u00fcrtigkeit eines Menschen erhalten bleiben. Hat dies auch eine Auswirkung auf Sie als Schriftsteller?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Albert Camus:<\/span> Die Kunst ist eine in Form gebrachte Forderung nach Unm\u00f6glichem. Wenn der aufw\u00fchlendste Schrei seinen st\u00e4rksten Ausdruck findet, tut die Revolte ihrer wahren Forderung Gen\u00fcge und zieht aus dieser Treue zu sich selbst eine Sch\u00f6pferkraft.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.307-308<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Albert Camus, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-3246 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='3246' data-nonce='450083a86b' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-3246 lc'>0<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-3246 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Guten Tag, Herr Albert Camus. 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