{"id":295,"date":"2014-01-25T14:43:36","date_gmt":"2014-01-25T13:43:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=295"},"modified":"2024-11-02T16:41:46","modified_gmt":"2024-11-02T15:41:46","slug":"295","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=295","title":{"rendered":"Interview: John Steinbeck &#8211; Tortilla Flat"},"content":{"rendered":"<h3><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/bouteille.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-299\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/bouteille.jpg\" alt=\"bouteille\" width=\"800\" height=\"100\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/bouteille.jpg 800w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/bouteille-300x37.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Ich begr\u00fc\u00dfe Sie herzlich Herr John Steinbeck, und ich m\u00f6chte mich mit Ihnen \u00fcber Ihren ersten erfolgreichen Roman <i>Tortilla Flat<\/i> unterhalten. Er handelt von der Freundschaft unter Paisanos. Danny, der nach dem Krieg nach Monterey zur\u00fcckgekommen ist, erbt zwei H\u00e4user und z\u00f6gert nicht, in dem einen seinen Freund Pilon wohnen zu lassen, ohne einen Mietpreis festzusetzen.<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">John Steinbeck:<\/span> Unm\u00f6glich zu sagen, ob Danny wirklich einen Mietzins erwartete, oder ob Pilon vorhatte, welchen zu bezahlen. Wenn ja, so erlebten beide eine Entt\u00e4uschung. Danny fragte nie danach, und ebensowenig r\u00fchrte Pilon daran. Der arme Pilon h\u00e4tte gern bezahlt, w\u00e4re er je im Besitz von Geld gewesen, was aber nie der Fall war, oder jedenfalls nie lange genug, um damit den Weg bis zu Danny zu finden. Pilon war eine ehrliche Haut. Es betr\u00fcbte ihn bisweilen, an Dannys Gutherzigkeit und seine eigene Armut zu denken.<\/h3>\n<p>John Steinbeck, <i>Tortilla Flat<\/i>, Ullstein Verlag, Frankfurt\/M, Berlin, Wien, 1970, S.20<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span>\u00a0Deswegen ist Pilon \u00fcbergl\u00fccklich, als sein Freund Pablo sich einverstanden erkl\u00e4rt, in einem Teil des Hauses zu wohnen, denn er k\u00f6nnte die daf\u00fcr erhaltene Miete seinem Freund Danny geben oder h\u00e4tte zumindest eine Entschuldigung.<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">John Steinbeck:<\/span> Ein Seufzer der Erleichterung entwand sich Pilons Brust. Er hatte nicht gewusst, wie schwer die Schuld an Danny ihn bedr\u00fcckt hatte. Der Umstand, dass er ziemlich sicher war, Pablo w\u00fcrde den Mietzins nie bezahlen, verringerte seine Genugtuung nicht. Sollte Danny je das Geld verlangen, k\u00f6nnte Pilon fortan sagen: \u201eIch werde bezahlen, sobald Pablo gezahlt hat.\u201d<\/h3>\n<p><i>Tortilla Flat<\/i>, S.26<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Danny und seine Freunde sind keine Betr\u00fcger, auch wenn es manchmal den Anschein hat. So haben sie dem Wirt und Alkoholschmuggler Torrelli einen Staubsauger ohne Motor verkauft.<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">John Steinbeck:<\/span> Pilon sah entsetzt drein. \u201eIch wusste nicht, dass der Apparat einen Defekt hatte\u201d,sagte er. \u201eAber habe ich nicht gesagt, Torrelli habe verdient, was ihm passiert ist. Der Apparat war drei oder vier Gallonen wert, und dieser elende Torrelli wollte mir nicht mehr als zwei daf\u00fcr geben.\u201d Sie alle f\u00fchlten sich jetzt ein bisschen an Torrelli ger\u00e4cht. \u201eIch denke\u201d, beschloss Danny das Gespr\u00e4ch, \u201ewir werden k\u00fcnftig unseren Wein woanders kaufen, wenn Torrelli nicht einlenkt.\u201d<\/h3>\n<p><i>Tortilla Flat<\/i>, S.101<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Danny und seine Freunde haben das Herz am rechten Fleck. Sie bewahren die Vierteldollarst\u00fccke des Piraten so lange auf, bis er genug von ihnen hat, um f\u00fcr den heiligen Franziskus einen goldenen Leuchter zu kaufen, wie er es gelobt hat. Sie stehlen Hundertpfunds\u00e4cke mit Bohnen, damit Teresinas Kinder nicht verhungern. Wie beurteilen Danny und seine Freunde ihre Mitmenschen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">John Steinbeck:<\/span> Sie hielten Gericht \u00fcber ihre Mitmenschen &#8211; nicht nach moralischen Gesichtspunkten urteilend, sondern aus Interesse an ihnen.<\/h3>\n<p><i>Tortilla Flat<\/i>, S.140<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Aber eines Tags sehnt sich Danny nach seinem fr\u00fcheren Leben zur\u00fcck. Was fehlt ihm in seinem Leben mit seinen Freunden?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">John Steinbeck:<\/span> Mit der Zeit begann er, wenn er sich in der Veranda des H\u00e4uschens sonnte, von den Tagen seiner Freiheit zu tr\u00e4umen. Zur Sommerzeit hatte er im Wald geschlafen und in der Winterk\u00e4lte in warmen Heuschuppen. Es ging ihm durch den Sinn, wie der Name Danny Sturm bedeutet hatte. Oh, diese K\u00e4mpfe! Die Flucht durch den Wald mit einem erschreckten Huhn unter dem Arm! Die Verstecke in der Schlucht, wenn ein emp\u00f6rter Gatte Fehde ansagte! Sturm und Gewalttat, herrliche Zeit der Kraft und F\u00fclle! Wenn Danny an die alten Zeiten dachte, kam ihm in Erinnerung, wie k\u00f6stlich die gestohlene Nahrung geschmeckt, und er ersehnte die Tage von einst zur\u00fcck. Seit sein Erbteil ihn sozial gehoben, hatte er nicht viele Raufereien gehabt. Wohl war er betrunken gewesen, aber es hatte ihn nicht in Abenteuer gef\u00fchrt; immer lastete das Gewicht des Eigentums auf ihm, immer dr\u00fcckte ihn die Verantwortung f\u00fcr seine Freunde.\u201d<\/h3>\n<p><i>Tortilla Flat<\/i>, S.152<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Danny nimmt sein fr\u00fcheres Leben wieder auf, doch kehrt er nach einiger Zeit zu seinen Freunden zur\u00fcck. Warum tut er das?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">John Steinbeck:<\/span> Als Danny von seiner wilden Fahrt in sein Haus und zu seinen Freunden zur\u00fcckkam, schlug ihm nicht etwa das Gewissen, sondern er war nur todm\u00fcde.<\/h3>\n<p><i>Tortilla Flat<\/i>, S.166<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Das will hei\u00dfen, Danny ahnt seinen nahen Tod. Aber seine Freunde meinen, es fehle ihm an Alkohol, und sie bereiten ihm ein gro\u00dfartiges Fest, an dem sich ganz Tortilla Flat beteiligt. F\u00fcr Danny ist es sein letztes Fest, und noch einmal b\u00e4umt er alle seine Kr\u00e4fte auf, obwohl seine Gestalt sich schon ver\u00e4ndert hat.<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">John Steinbeck:<\/span> Dannys irdische Erscheinung, sagen die Leute von Tortilla Flat, ver\u00e4nderte sich zusehends. Sie wuchs zu unheimlicher Gr\u00f6\u00dfe heran. Seine Augen funkelten wie die Vorderlichter eines Automobils. Es war etwas F\u00fcrchterliches an ihm. Dort stand er, in der Stube seines eigenen Hauses. In der rechten Hand hielt er ein Tischbein aus Kiefernholz, und selbst dieses schien gewachsen. Danny forderte die Welt heraus. \u201eWer k\u00e4mpft mit mir?\u201d schrie er. \u201eGibt es auf der Welt niemanden mehr, der sich nicht f\u00fcrchtet?\u201d \u201eNiemand?\u201d schrie Danny abermals. \u201eBin ich mutterseelenallein in der Welt? Nimmt es niemand mit mir auf?\u201d \u201eDann werde ich den einen suchen, der zu k\u00e4mpfen versteht. In der Ewigkeit werde ich den K\u00e4mpen finden, der Dannys w\u00fcrdig ist.\u201d Er taumelte zur T\u00fcr. Die Leute machten erschreckt einen breiten Weg f\u00fcr ihn frei. Vor dem Hause h\u00f6rten sie ihn weiter seine Herausforderung hinausbr\u00fcllen. Das Tischbein pfiff durch die Luft wie ein Meteor. Schlie\u00dflich lie\u00df sich hinter dem Hause von der Schlucht her ein so entsetzlicher und eisiger Gegenruf vernehmen, dass ihnen das R\u00fcckgrat zu schmelzen schien, wie die Brunnenkresse unter dem Frost dahinwelkt. Noch heute, wenn die Leute von Dannys letztem Kampfgegner sprechen, senken sie die Stimmen und blicken verstohlen um sich. Sie haben Dannys Schlachtruf geh\u00f6rt &#8211; seinen letzten, schrillen und trotzigen Aufschrei, und dann einen dumpfen Fall. Ihm folgte die gro\u00dfe Stille.<\/h3>\n<p><i>Tortilla Flat<\/i>, S.175-176<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Nach dieser umfassenden Beschreibung von Dannys Tod, bitte ich Sie, ein Urteil \u00fcber den Tod abzugeben.<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">John Steinbeck:<\/span> Der Tod ist etwas ganz Pers\u00f6nliches und erweckt, je nachdem, Trauer, Verzweiflung, gl\u00fchende Empfindung oder philosophische Betrachtungen unber\u00fchrter Herzen.<\/h3>\n<p><i>Tortilla Flat<\/i>, S.179<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Steinbeck, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-295 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='295' data-nonce='166a765446' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-295 lc'>+108<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-295 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Ich begr\u00fc\u00dfe Sie herzlich Herr John Steinbeck, und ich m\u00f6chte mich mit Ihnen \u00fcber Ihren ersten erfolgreichen Roman Tortilla Flat unterhalten. 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