{"id":2854,"date":"2024-08-11T13:26:26","date_gmt":"2024-08-11T12:26:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=2854"},"modified":"2024-11-18T16:30:23","modified_gmt":"2024-11-18T15:30:23","slug":"interview-jorg-zink-ich-werde-gerne-alt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=2854","title":{"rendered":"Interview: J\u00f6rg Zink &#8211; Ich werde gerne alt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/eglise.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/eglise.png\" alt=\"\" width=\"2996\" height=\"326\" class=\"alignnone size-full wp-image-2880\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/eglise.png 2996w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/eglise-300x33.png 300w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/eglise-1024x111.png 1024w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/eglise-768x84.png 768w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/eglise-1536x167.png 1536w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/eglise-2048x223.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2996px) 100vw, 2996px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Guten Tag, Herr J\u00f6rg Zink. Sie sind ein deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer, Fernsehreferent, Publizist und traten 1980 der Partei <i>Die Gr\u00fcnen<\/i> bei. Sie schrieben auch B\u00fccher und ich freue mich, dass wir in unserem Gespr\u00e4ch \u00fcber Ihr Buch <i>Ich werde gerne alt<\/i> sprechen werden. Was k\u00f6nnen Sie als erstes hierzu sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">J\u00f6rg Zink:<\/span> Es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass einer gerne alt wird, ich wei\u00df. Die Kr\u00e4fte nehmen ab. Die Sinne werden m\u00fcde, Krankheiten kommen, Schmerzen. Die t\u00e4glichen Dinge machen M\u00fche, das Ged\u00e4chtnis t\u00e4uscht. Die Tage werden k\u00fcrzer, die N\u00e4chte l\u00e4nger. Die Freunde gehen. Die Eltern. Die Geschwister. Schwermut schleicht sich ein, Angst vor dem, was kommt. Man wird entbehrlich inmitten der Gedankenlosigkeit und Herablassung der j\u00fcngeren Leute. Man f\u00fchlt sich isoliert, f\u00e4llt anderen zur Last. Der K\u00f6rper wird unansehlich.<\/h3>\n<p>J\u00f6rg Zink, <i>Ich werde gerne alt<\/i>, Kreuz Verlag, Stuttgart, Z\u00fcrich, 2001<\/h>, S.10<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Das ist alles zu verstehen. Vor was haben Sie pers\u00f6nlich am meisten Angst?<\/h3>\n<h3><span style=\" color:#3366ff;\">J\u00f6rg Zink:<\/span> Dass Schmerzen mich eines Tages um meine Selbstbeherrschung bringen, dass eine Krankheit mich nicht l\u00e4utert, sondern zerm\u00fcrbt und zerst\u00f6rt, davor habe ich Angst. Dass eines Tages all das, was in meinem Leben misslungen ist, vor mir steht und nicht weggehen will.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.13<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> So ist das Altern wirklich schwer.<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">J\u00f6rg Zink:<\/span> Ich wei\u00df, alt sein ist vielen Menschen zu schwer. Einsam vor sich hinleben, verlassen, hungernd nach einem Menschen, nach einer Ber\u00fchrung. Arm vielfach, Abgeschoben. Vergessen. Nutzlos.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Sie haben Ihre Frau an Ihrer Seite.<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">J\u00f6rg Zink:<\/span> Sie ist noch an meiner Seite und teilt meine Tage mit mir. So ist es keine Kunst, alt zu sein. Ich wei\u00df. Es braucht nicht viel zu geschehen. Es muss nur gelten, was ein Leben lang gegolten hat, denn die Augenblicke des Verzagens werden kommen, in denen eins f\u00fcr das andere den Mut bewahren muss und das Vertrauen. In denen der eine dem anderen zuh\u00f6rt, ihm die Hand h\u00e4lt, ihn erinnert. F\u00fcr ihn vor Gott bringt, was da zu sagen ist.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.17<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Um im Hinblick auf ihre Kinder, was m\u00f6chten sie zu ihnen sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">J\u00f6rg Zink:<\/span> Meine Kinder sind meine Kinder, solange ich lebe. Irrtum: Sie sind erwachsene Menschen. Oder: Ich muss ihnen sagen, dass ich mich sorge um ihre Zukunft. Irrtum: Begleiten wir sie, wenn sie es wollen, denken wir mit ihnen. Beten wir f\u00fcr sie und verd\u00fcstern ihnen nicht die Sonne.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.20<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Da Sie gerade von Irrt\u00fcmern sprachen, bitte ich Sie eine Wahrheit zu nennen, die Bestand f\u00fcr sie hat.<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">J\u00f6rg Zink:<\/span> Dass uns die sp\u00e4ten Jahre von Gott zugedacht sind und wir sie f\u00fcllen und genie\u00dfen d\u00fcrfen, solange wir die Kr\u00e4fte haben. Denn wer genie\u00dfbar bleiben will, muss genie\u00dfen k\u00f6nnen. Eine strenge Lebensweise macht viele hart und scharf. Bei aller M\u00fche werden wir nicht erreichen, mit dem Willen Gottes eins zu sein. Aber einen Punkt gibt es: Wenn Gott uns einen sch\u00f6nen Tag gibt und wir ihn von Herzen genie\u00dfen, erf\u00fcllen wir seinen Willen.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.22 <\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> K\u00f6nnen Sie noch weiteres zum Erlangen eines inneren Friedens hinzuf\u00fcgen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">J\u00f6rg Zink:<\/span> Man kann durchaus leben, ohne alles wahrnehmen und beurteilen zu m\u00fcssen. Wenn wir Dinge wahrnehmen, die uns st\u00f6ren, dann dr\u00fccken wir eine Auge zu, wir haben ja zwei. Und wenn wir allein oder zu zweit auf der Bank vor dem Haus unserer Seele sitzen und die Erinnerungen aus- und eingehen: Gegen niemand einen Vorwurf festhalten. Niemand anklagen f\u00fcr vergangene Dinge. Von niemandem Dankbarkeit fordern. Allabendlich allen Streit beenden. Es ist wenig Zeit.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.24<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Was freut Sie, seitdem Sie im Ruhestand sind?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">J\u00f6rg Zink:<\/span> Ich brauche nur noch am Schreibtisch zu sitzen, wenn mich die unb\u00e4ndige Lust zu arbeiten \u00fcberf\u00fcllt. Ich reise nicht mehr zu geschw\u00e4tzigen Konferenzen. Ich brauche nichts zu werden, nichts zu erreichen. Niemand braucht mich gut zu finden. Ich brauche nicht zu beweisen, wie viel ich noch tauge, wie viel ich noch kann, wie gro\u00df meine Kr\u00e4fte sind. Die kleinen Dinge werden es sein, die irgendwann Zeichen waren f\u00fcr Begegnungen und Erfahrungen. Ein Bild an der Wand. Ein Stein. Eine getrocknete Bl\u00fcte. Ein Foto. Briefe vor allem, lesbare Morgen- und Mittagstage des Lebens.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.6,16<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Und wie begegnen Sie als gl\u00e4ubiger Christ dem nahenden Tod?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">J\u00f6rg Zink:<\/span> Glauben hei\u00dft ja: durch alles, was kompakt vor mir steht, hindurchschauen, als w\u00e4re es von Glas. In gro\u00dfen Augenblicken ist es mir geschehen, dass die Dinge durchscheinend wurden auf ein sehr fremdes Licht hin. Dass mir dieses Wissen bewahrt wird bis zum letzten Augenblick, dass die dunkle Wand des Todes sich aufl\u00f6sen wird in ein schimmerndes Licht, das erbitte ich mir. Ich werde gerne alt. Und ich danke Gott, dass er mir gegeben hat, in ihm zu sein ohne die Grenzen der Zeit. Immer weniger steht zwischen dem Leben und mir, dem ewigen, meine ich. Ich stehe dort, wo das Licht ahnbar wird hinter den Bergen dieser Erde.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.44,46 <\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr J\u00f6rg Zink, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-2854 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='2854' data-nonce='166a765446' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-2854 lc'>0<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-2854 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Guten Tag, Herr J\u00f6rg Zink. Sie sind ein deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer, Fernsehreferent, Publizist und traten 1980 der Partei Die Gr\u00fcnen bei. 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