{"id":2797,"date":"2024-04-20T12:52:38","date_gmt":"2024-04-20T11:52:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=2797"},"modified":"2024-05-20T09:45:14","modified_gmt":"2024-05-20T08:45:14","slug":"interview-wolf-dieter-zimmermann-wir-nannten-ihn-bruder-bonhoeffer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=2797","title":{"rendered":"Interview: Wolf-Dieter Zimmermann \u2013 Wir nannten ihn Bruder Bonhoeffer"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/gelbe_blume.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/gelbe_blume.png\" alt=\"\" width=\"801\" height=\"100\" class=\"alignnone size-full wp-image-2818\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/gelbe_blume.png 801w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/gelbe_blume-300x37.png 300w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/gelbe_blume-768x96.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Guten Tag, Herr Wolf-Dieter Zimmermann. Ich freue mich, dass Sie meine Einladung zu diesem Gespr\u00e4ch angenommen haben. Wir wollen \u00fcber Ihre Begegnungen und Zusammenarbeit mit dem evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer sprechen. Hierbei ist Ihr Sommersemester an der Berliner Universit\u00e4t von gro\u00dfer Bedeutung. Warum?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> In der Vorbereitung f\u00fcr meinen Studienplan 1932 war ich auf die Ank\u00fcndigung einer Vorlesung gesto\u00dfen, die den Titel \u201eDas Wesen der Kirche\u201d trug. Angeboten wurde sie von einem unbekannten Privatdozenten. Ich ging mit einiger Skepsis zu der Vorlesung. Zuerst erschrak ich. Knapp 20 Personen sa\u00dfen einzeln verstreut in den B\u00e4nken. Doch dann blieb ich \u2013 aus reiner Neugier. Und ich wurde sofort von einem jungen Mann gefesselt, der mit schnellen elastischen Schritten in den Raum kam. Bei seinen Worten wurde dann auch sofort deutlich, wie engagiert er war und wie stark ihn die Sache, die er vorzutragen hatte, fesselte.<\/h3>\n<p>Wolf-Dieter Zimmermann, <i>Wir nannten ihn Bruder Bonhoeffer<\/i>, Wichern Verlag, Berlin 2004, S.11-12<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Nach seinem zweiten theologischen Examen im Jahr 1930 war Bonhoeffer ein Jahr lang am Union Theological Seminary in New York gewesen. Er besuchte auch Gottesdienste in East Harlem, wo die Rassentrennung an der Tagesordnung war. Hat er Ihnen davon berichtet?<\/h3>\n<h3><span style=\" color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> East Harlem, ein Slum mit unvorstellbarer Armut und Verkommenheit, aber auch mit einer gro\u00dfen menschlichen Sehnsucht und Bereitschaft zur Hingabe. Bonhoeffer hatte die Familien kennengelernt, war in ihren Wohnungen gewesen und hatte die Not dieser Menschen erlebt. Hier hatte er im Gegensatz zu den wei\u00dfen Kirchen, wie er sagte, \u201eechten Glauben\u201d gefunden. Es schien, als habe er hier gesehen, wie lebendige Kirche sein k\u00f6nnte.<\/h3>\n<p><i>Ibid<\/i>, S.37<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Wie empfand er selbst diese Gottesdienste?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> Er war fasziniert von der emotionalen Beteiligung aller Gemeindeglieder am Gottesdienst. Er \u2013 der k\u00fchle, beherrschte, rational bestimmte Mann \u2013 empfand diese Form des Feierns als befreiend. Er akzeptierte die Kraft und Hingabe, der er hier begegnet war, dieses v\u00f6llige Losgel\u00f6stsein von der belastenden Gegenwart. Er hat mitgelitten und wollte f\u00fcr diese Ausgesto\u00dfenen nun in Europa ein F\u00fcrsprecher sein. Doch hat er nie versucht, diesen Kultus direkt zu \u00fcbernehmen. Das war gewachsene Gl\u00e4ubigkeit, unverwechselbar und unl\u00f6sbar von den Menschen, die darin lebten. Er selbst \u2013 das wusste er \u2013 konnte dabei sein, konnte aber keiner von ihnen werden.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.37,38<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Die Reichstagswahl am 5. M\u00e4rz 1933 gewann die NSDAP mit 43,9&nbsp;% der abgegebenen Stimmen. Am 23. M\u00e4rz beschloss der neue Reichstag das Erm\u00e4chtigungsgesetz, nach dem die Regierung ohne Zustimmung des Reichstags und des Reichsrats sowie ohne Zustimmung des Reichspr\u00e4sidenten Gesetze erlassen konnte. Am 1. April kam es zum Boykott j\u00fcdischer Gesch\u00e4fte. Gab es auch Ma\u00dfnahmen gegen die evangelische Kirche?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> Am 25. April wird der Wehrkreispfarrer Ludwig M\u00fcller von Hitler zum \u201eBevollm\u00e4chtigten f\u00fcr die Angelegenheiten der evangelischen Kirche\u201d ernannt. Im April wurde deutlich, dass es eine neue innerkirchliche Gruppierung gab, die sich \u201eDeutsche Christen\u201d nannte und offensichtlich mit staatlicher Unterst\u00fctzung agierte. Im scharfen Gegensatz zu ihnen stand die Oppositionsgruppe \u2013 damals Jungreformatorische Bewegung genannt; aus ihr ist 1934 die Bekennende Kirche hervorgegangen. F\u00fcr den 23. Juli waren Kirchenwahlen angesetzt. Die Nazis mobilisierten alle ihre Anh\u00e4nger daf\u00fcr und setzten weithin auch Gemeindeglieder unter Druck, die sich dem Trend nicht f\u00fcgen wollten. Diese neuen Str\u00f6mungen waren bis in die Universit\u00e4t vorgedrungen. Es wurde schnell eine NS-Studentengruppe gebildet; neben ihnen auch ein deutsch-christlicher Interessenkreis. Als dann das Sommersemester begonnen hatte, f\u00fchrten wir intensive Gespr\u00e4che mit Bonhoeffer, um herauszufinden, was unsere Aufgabe sein k\u00f6nnte. Das Bekenntnis &#8211; also die Glaubensgrundlage der Kirche \u2013 drohte durch die NS-Ideologie verf\u00e4lscht oder ersetzt zu werden. Als sich bei der Kirchenwahl herausstellte, dass die Deutschen Christen fast \u00fcberall in Preu\u00dfen die Mehrheit errungen hatten, wurde uns klar: Jetzt beginnt f\u00fcr uns eine gef\u00e4hrliche Zeit, wir sind nur noch eine kleine Minderheit.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.41-43<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Dennoch kamen zu Bonhoeffers Sommervorlesung \u00fcber \u201eChristologie\u201d etwa 300 Zuh\u00f6rer, was ein Erfolg war. Welche Erkl\u00e4rung gibt es hierf\u00fcr und was war der au\u00dfergew\u00f6hnliche Ansatz in Bonhoeffers Christologie?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> Inzwischen war f\u00fcr viele Studenten erkennbar geworden, dass Bonhoeffer und sein Kreis nicht auf die Nazi-Ideologie eingeschwenkt waren. Bonhoeffer h\u00fcllte sich in Schweigen dar\u00fcber, wie er das Problem Christologie l\u00f6sen w\u00fcrde. Mit Spannung wartete ich auf den Augenblick, wo sich das zeigen sollte. Es geschah mit dem Satz: \u201eDie Person interpretiert das Werk\u201d (und nicht umgekehrt); eben weil Jesus der Gottmensch ist, darum kommt seinem Lebenswerk besondere Bedeutung zu. Das Werk an sich (Leiden und Kreuz) ist mehrdeutig. Viele solcher Schicksale hat es damals gegeben. Erst weil hier Gott selbst in Menschengestalt sich opfert, darum erh\u00e4lt dieser Vorgang seine einmalige Bedeutung. Der ganze geschichtliche Jesus mit seinem Sein und seinem Tun ist die Rettungstat Gottes selbst.\u201d Das Neue f\u00fcr mich: Ich hatte im Studium gelernt, dass das Werk Jesu seine G\u00f6ttlichkeit \u201ebeweise\u201d. Jetzt begriff ich zum ersten Mal, dass die \u201eGarantie\u201d f\u00fcr die Besonderheit Jesu nicht in seiner \u201eLeistung\u201d, sondern in seinem Wesen als \u201eGottmensch\u201d lag. Das war die neue Perspektive.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.39<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Bald darauf musste Dietrich Bonhoeffer damit rechnen, seiner Lehrt\u00e4tigkeit enthoben zu werden. Deshalb wollte er in London, eine deutsche Auslandsgemeinde \u00fcbernehmen. Es wurde ihm erlaubt, aber unter welcher Bedingung?\u201d<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> Bonhoeffer durfte das Amt in London antreten, jedoch nicht als Pfarrer der Deutschen Evangelischen Kirche, sondern als gew\u00e4hlter Pfarrer zweier Londoner Gemeinden.\u201d<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.46<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Im M\u00e4rz 1934 wurde von der Reichskirchenregierung das Theologische Examen neu bestimmt und es durfte nur unter Vorlage des Ariernachweises absolviert werden. Aus diesem Grund beschloss die nun bestehende Bekennende Kirche eigene Predigerseminare einzurichten, die von der offiziellen Kirche nicht anerkannt wurden. Dietrich Bonhoeffer erhielt Ende des Jahrs 1934 von der Bekennenden Kirche den Auftrag ein Predigerseminar zu leiten. Was k\u00f6nnen Sie hierzu berichten?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> Die Seminararbeit war im Fr\u00fchjahr in Zingst an der Ostsee begonnen worden, musste jedoch bald nach Finkenwalde, in der N\u00e4he von Stettin, verlegt werden. Die Abgeschiedenheit in dem kleinen Dorf bedr\u00fcckte uns in keiner Weise. Wir alle hatten in dem Haus Pflichten zu erf\u00fcllen, also mitzuhelfen bei der Erledigung der allt\u00e4glichen Aufgaben. Die straffe Ordnung des Tagesablaufs hat uns zuerst stark belastet. Die sonnabendliche Abendandacht war immer etwas Besonderes. Da sprach Bonhoeffer \u00fcber die vergangene Woche, da mahnte er und gab Weisungen f\u00fcr unser Verhalten, da wurde sozusagen reiner Tisch gemacht. F\u00fcr das Predigerseminar kam das Ende am 28. September 1937. Der Himmler-Erlass vom 29. August 1937 bot die Grundlage daf\u00fcr; in ihm war der Bekennenden Kirche jede Form von theologischer Aus- und Weiterbildung verboten worden. Die Gestapo erschien in dem fast leeren Haus und versiegelte es.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.61-63,66-67,80<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Anfang Juni 1939 fuhr Dietrich Bonhoeffer nach New York, nachdem er f\u00fcr ein Jahr von der Bekennenden Kirche beurlaubt worden war. Er sollte sich in dieser Stadt der deutschen Emigranten annehmen. Aber schon am 7. Juli kam er zur\u00fcck nach Deutschland. Was waren seine Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Entscheidung?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> Als ich ihn kurz nach seiner R\u00fcckkehr in Berlin traf, war ich verwundert. Ich hatte fest mit seinem Fernbleiben gerechnet. Er erl\u00e4uterte mir seinen Entschluss so: Seine Glaubw\u00fcrdigkeit als Lehrer der Theologie w\u00e4re zerst\u00f6rt worden, wenn er sich in die Sicherheit gerettet h\u00e4tte. Alles von ihm Gesagte und Geschriebene h\u00e4tte seine Qualit\u00e4t verloren, wenn er sich jetzt aus der Konfrontation mit der Realit\u00e4t herausgehalten h\u00e4tte. Der Christ darf nicht vor der aufkommenden Gefahr fliehen, er darf seinen Bruder nicht im Stich lassen, sondern muss \u2013 wie Christus \u2013 das irdische Leben ganz auskosten. Nur so ist Christus bei ihm.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.93<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Um eine Einberufung Bonhoeffers zur Wehrmacht zu verhindern, nahm sein Schwager Hans von Dohnanyi ihn im Juni 1940 in das Abwehramt von Admiral Wilhelm Canaris auf. Dort erfuhr er von dem Plan, einen Putsch gegen Hitler zu organisieren. Dietrich Bonhoeffer wurde am 5. April 1943 verhaftet. Warum war seine Lage nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 besonders gef\u00e4hrlich?<\/h><\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> Am 22. September 1944 wurde im Zossener Hauptquartier der Wehrmacht in einem Panzerschrank das \u201eGeheim-Archiv\u201d der Verschw\u00f6rer gefunden. Damit waren pr\u00e4zise Unterlagen \u00fcber die Vorbereitung eines Putsches sowie \u00fcber den Inhalt einiger Seiten aus dem Tagebuch von Canaris vorhanden. Diese Beweise \u00e4nderten die Lage der Verhafteten und Angeklagten grundlegend. Mit ihrer Ermordung musste gerechnet werden.<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.105<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Kommen wir auf Maria von Wedemeyer zu sprechen, mit der sich Dietrich Bonhoeffer am 17. Januar 1943  verlobt hatte. Sie war achtzehn Jahre j\u00fcnger als er und eine Enkelin von Ruth von Kleist-Retzow, bei der Bonhoeffer oft zu Besuch war. Wie beurteilte er sein Verh\u00e4ltnis mit Maria nach seiner Verhaftung?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> Wie Bonhoeffer selbst reagierte, zeigt ein Brief vom 15. Dezember 1943: \u201eNun sind wir fast ein Jahr verlobt und haben uns noch nie eine Stunde allein gesehen. Ist das nicht ein Wahnsinn? Alles, was sonst zur Verlobungszeit geh\u00f6rt, das Sinnlich-Erotische, m\u00fcssen wir bewusst verdr\u00e4ngen\u2026 Wir sitzen alle Monate eine Stunde brav wie auf der Schulbank nebeneinander und werden wieder auseinandergerissen. Wir wissen so gut wie nichts voneinander, haben nichts miteinander erlebt.\u201d<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.107<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Und k\u00f6nnen Sie auch aus einem Brief von Maria von Wedemeyer zitieren, um zu erfahren, wie sie mit dieser Situation umging?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> Dietrich ermutigte mich, die praktische Seite unserer gemeinsamen Zukunft zu planen. Es half ihm, sich ein bestimmtes M\u00f6belst\u00fcck in unserer zuk\u00fcnftigen Wohnung vorzustellen oder einen Spaziergang durch die Felder, eine vertraute Stelle am Ufer\u2026 Er war fest davon \u00fcberzeugt \u2013 \u00fcbrigens zu Recht \u2013 der bessere Koch zu sein. Einmal w\u00f6chentlich gaben wir B\u00fccher, W\u00e4sche und Lebensmittel f\u00fcr ihn im Gef\u00e4ngnis ab und nahmen wieder mit, was er uns zur\u00fcckgab.\u201d<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.107<\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Am 8. Oktober 1944 wurde Dietrich Bonhoeffer in das SS-Gef\u00e4ngnis in der Prinz-Albrecht-Stra\u00dfe in Berlin verlegt. K\u00f6nnen Sie den weiteren Verlauf schildern?<\/h3>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Wolf-Dieter Zimmermann:<\/span> Die Zeit im SS-Gef\u00e4ngnis endet am 7. Februar 1945. Die Gefangenen werden nach Buchenwald bei Weimar gebracht. Am 3. April geht es weiter in einem geschlossenen Lastwagen nach Weiden und Regensburg. Dann Weiterfahrt nach Sch\u00f6nberg im Bayerischen Wald.  Am Sonntag, 8. April wird Bonhoeffer ausgesondert und nach Flossenb\u00fcrg gefahren. Am fr\u00fchen Morgen des 9. April 1945 wurde der Hof vor der Baracke in grelles Scheinwerferlicht getaucht. Gegen 6 Uhr erschallte zum ersten Mal der Ruf \u201eMitkommen\u201d. Danach war das schlurfende Ger\u00e4usch nackter F\u00fc\u00dfe auf dem steinernen Fu\u00dfboden zu h\u00f6ren. Dann der Ruf: \u201eAlles ausziehen!\u201d Bonhoeffer konnte noch kurz in einem Nebenraum knien und beten. Danach mussten die M\u00e4nner v\u00f6llig nackt eine Stiege besteigen, ihnen wurde der Strick um den Hals gelegt, die Stiege wurde weggezogen. Hinter dem Zellenbau wurden die Leichen sp\u00e4ter verbrannt. Bonhoeffers letzter geschriebener Satz lautet: \u201eIch sterbe als stummer Zeuge Christi unter seinen Br\u00fcdern.\u201d<\/h3>\n<p><i>Ibid.<\/i>, S.110 <\/p>\n<h3><span style=\"color:#3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Wolf-Dieter Zimmermann, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-2797 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='2797' data-nonce='166a765446' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-2797 lc'>0<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-2797 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Guten Tag, Herr Wolf-Dieter Zimmermann. Ich freue mich, dass Sie meine Einladung zu diesem Gespr\u00e4ch angenommen haben. 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