{"id":2266,"date":"2020-08-24T14:26:22","date_gmt":"2020-08-24T13:26:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=2266"},"modified":"2024-11-02T16:28:07","modified_gmt":"2024-11-02T15:28:07","slug":"interview-dostojewski-der-sundenfall-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=2266","title":{"rendered":"Interview: Fjodor Dostojewski &#8211; Die D\u00e4monen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Damonen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Damonen.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"98\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2272\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Damonen.jpg 800w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Damonen-300x37.jpg 300w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Damonen-768x94.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Guten Tag, Herr Fjodor Dostojewski. Ich begr\u00fc\u00dfe Sie herzlich zu unserem Gespr\u00e4ch. Wir wollen \u00fcber Ihren Roman <i>Die D\u00e4monen<\/i> sprechen, der im Jahr 1873 ver\u00f6ffentlicht wurde, also in den Jahren, in denen revolution\u00e4re Unruhen Russland ersch\u00fctterten. Das Geschehen ereignet sich in der Provinz in der N\u00e4he von St Petersburg. Stepan Trofimowitsch, der der \u00e4lteren Generation angeh\u00f6rt, ist ein F\u00fcrsprecher liberaler Ideen. Seit zweiundzwanzig Jahren ist er mit Warwara Petrowna, der verm\u00f6genden Witwe eines Generalleutnants, befreundet, zu der er in der Mitte des XIXten Jahrhunderts gezogen ist und von der er sich aushalten l\u00e4sst. Als Warwaras Sohn Nikolai Wsewolodowitsch Stawrogin, den wir kurz Stawrogin nennen werden, acht Jahre alt war, wurde er von Stepan Trofimowitsch unterrichtet. Als junger Mann lebte Stawrogin in Westeuropa und in den USA. W\u00e4hrend seines Auslandsaufenthalts kam er mit nihilistischen, sozialistischen und teilweise revolution\u00e4ren Ideen in Ber\u00fchrung. Er kehrt zur gleichen Zeit wie Stepan Trofimowitschs Sohn, Pjotr Stepanowitsch, in seine Heimat zur\u00fcck. Es hei\u00dft, Pjotr habe einen revolution\u00e4ren Bund gegr\u00fcndet und sich an einer geheimen Proklamation beteiligt. Wie Stawrogin hielt auch Pjotr sich in der Schweiz auf und k\u00f6nnte ein Fl\u00fcchtling sein. Was sagt Stepan Trofimowitsch \u00fcber seinen Sohn?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Das kommt mir ganz wunderbar vor, der gute Pjotr, c&rsquo;est une si pauvre t\u00eate! Er ist brav, edelgesinnt, sehr gef\u00fchlvoll, und ich habe mich damals in Petersburg gefreut, wenn ich ihn mit der modernen Jugend verglich. Und wissen Sie, das kommt davon her, dass die jungen Leuten nicht ordentlich ausgebr\u00fctet, dass sie zu gef\u00fchlvoll sind! Was sie fesselt, ist nicht der Realismus, sondern die empfindsame, ideale Seite des Sozialismus, sozusagen seine religi\u00f6se F\u00e4rbung, seine Poesie&#8230;die allerdings aus einer fremden Sprache stammt. Mein Pjotr ein Aufwiegler! In was f\u00fcr Zeiten leben wir!\u201d<\/h3>\n<p>Fjodor Dostojewski, <i>Die D\u00e4monen<\/i>, Insel Taschenbuch, Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig, 2008, Erster Teil, zweites Kapitel, S.103<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Wir werden sehen, dass sich Stepan Trofimowitsch mit dieser Einsch\u00e4tzung seines Sohns gewaltig t\u00e4uscht und vielleicht wei\u00df er das auch selber. Er bef\u00fcrchtet n\u00e4mlich, dass die \u00e4ltere Generation f\u00fcr so manches Handeln der j\u00fcngeren zur Verantwortung gezogen werden k\u00f6nnte. Der Student Iwan Schatow spricht in einem Gespr\u00e4ch mit Stepan Trofimowitsch \u00fcber den unguten Einfluss der gesamten \u00e4lteren Generation auf die j\u00fcngere. Was sagt er zu ihm?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Und nicht genug damit, dass Sie das Volk verkennen, empfinden Sie gegen dasselbe auch Ekel und Geringsch\u00e4tzung, schon allein deswegen, weil Sie sich unter einem Volke nur das franz\u00f6sische Volk vorstellen, und auch von dem nur die Pariser, und sich sch\u00e4men, dass das russische Volk nicht von derselben Art ist. Das ist die nackte Wahrheit! Jeder, der sein Volk zu verstehen aufh\u00f6rt und die Verbindung mit ihm verliert, verliert auch im selben Augenblick und im selben Ma\u00dfe den v\u00e4terlichen Glauben und wird entweder ein Atheist oder gleichg\u00fcltig. Das ist der Grund, weshalb Sie alle und wir alle jetzt entweder sch\u00e4ndliche Atheisten oder indifferentes, liederliches Gesindel sind und weiter nichts! Und ich schlie\u00dfe auch Sie, Stepan Trofimowitsch, ganz und gar nicht aus; was ich gesagt habe, war sogar ausdr\u00fccklich auf Sie gem\u00fcnzt.\u201d<\/h3>\n<p>Erster Teil, erstes Kapitel, S.53-54<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Schatow ist dem von Pjotr Stepanowitsch ins Leben gerufenen revolution\u00e4ren Bund beigetreten und schwebt in Gefahr, ermordet zu werden. Er erkl\u00e4rt gegen\u00fcber Stawrogin, dass er aus dieser Gesellschaft austreten will. <\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Ich habe ehrlich erkl\u00e4rt, dass ich vollst\u00e4ndig aus dem Bunde ausscheide! Das ist mein Recht, das Recht meines Gewissens und meines Verstandes. Das werde ich mir nicht gefallen lassen! Es gibt keine Macht, die imstande w\u00e4re&#8230;Sie, Stawrogin, wie konnten Sie sich nur in eine so schamlose, talentlose, lakaienhafte, abgeschmackte Gesellschaft verirren. Sie ein Mitglied dieses Bundes! Ist das Nikolai Stawrogins w\u00fcrdig?<\/h3>\n<p>Zweiter Teil, erstes Kapitel, S.317-318<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Stawrogin gibt ihm zu verstehen, dass er selbst kein Mitglied des Bundes und also kein Genosse ist. Allerdings ist es auch f\u00fcr ihn nicht leicht, seine Verbindungen zu dieser Gesellschaft abzubrechen und er kann sogar der Spionage beschuldigt werden. Es ist Pjotr Stepanowitsch, der ihn zwingen und nicht in Ruhe lassen will. Jedoch beschreibt der Erz\u00e4hler in Ihrem Roman auch Stawrogin als einen b\u00f6swilligen Menschen.<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Diese Bosheit war eine kalte, ruhige und, wenn man sich so ausdr\u00fccken kann, eine vern\u00fcnftige, also die abscheulichste und furchtbarste, die es nur geben kann.<\/h3>\n<p>Erster Teil, f\u00fcnftes Kapitel, S.271<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Stawrogin ist in der Tat lasterhaft, hemmungslos und verachtenswert, aber er zweifelt immer wieder an seiner Lebensweise. Er hat schlimme, abscheuliche Taten begannen. In einem Gespr\u00e4ch, das er mit dem fr\u00fcheren Bischof Tichon in einem Kloster f\u00fchrt, gesteht er wie ein Besessener, dass er ein minderj\u00e4hriges M\u00e4dchen vergewaltigt hat, das daraufhin Selbstmord beging. Stawrogin h\u00e4tte den Selbstmord des Kindes verhindern k\u00f6nnen. Als wollte er sich f\u00fcr seine Verbrechen bestrafen, heiratete er daraufhin heimlich die lahme und geisteskranke Marja Lebjadkin. Marja ist die Schwester eines ehemaligen Hauptmanns, der sich von Stawrogin bezahlen l\u00e4sst, damit die Heirat nicht bekannt wird. Lebjadkin ist alkohols\u00fcchtig und schl\u00e4gt seine Schwester mit einer Peitsche. Schatow wei\u00df von der Heirat und er hat Marja gern. Was sagt er zu Stawrogin?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Ich wei\u00df ebenfalls nicht, warum das B\u00f6se h\u00e4\u00dflich und das Gute sch\u00f6n ist; aber ich wei\u00df, warum das Gef\u00fchl f\u00fcr diesen Unterschied sich bei Herren von Ihrer Art verwischt und verliert. Wissen Sie, warum Sie sich damals so schm\u00e4hlich und unw\u00fcrdig verheiratet haben? Gerade deshalb, weil da die Schande und die Sinnlosigkeit bis zur Genialit\u00e4t gingen! Oh, Sie schlendern nicht vom Rande des Abgrundes hinweg, sondern st\u00fcrzen sich k\u00fchn kopf\u00fcber hinab. Sie haben sich verheiratet aus Leidenschaft f\u00fcr die Selbstqu\u00e4lerei, aus Leidenschaft f\u00fcr Gewissensbisse, aus seelischer Wollust. Ihr Nervensystem war zerr\u00fcttet. Die gesunde Vernunft herauszufordern, das erschien Ihnen sehr reizvoll! Stawrogin und eine h\u00e4ssliche, lahme, schwachsinnige, bettelarme Frauenperson!<\/h3>\n<p>Zweiter Teil, erstes Kapitel, S.334<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Dieser Herausforderung an die gesunde Vernunft unterliegt Stawrogin nur allzu oft. Aber er verharmlost sein Verhalten und erkl\u00e4rt dem Ingenieur Kirillow gegen\u00fcber, dass er einen schwachen Charakter besitze. Und welche banale Gr\u00fcnde nennt er in einem Gespr\u00e4ch mit Lebjadkin?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Ich habe damals Ihre Schwester geheiratet, als mir die Lust ankam, nach einem Diner mit vielem Wein, infolge einer Wette, und jetzt werde ich es laut ver\u00f6ffentlichen \u2026 wenn mir das jetzt Freude macht.<\/h3>\n<p>Zweiter Teil, zweites Kapitel, S.351<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Stawrogin hat gleichzeitig die Absicht, sich mit Lisaweta, der Tochter einer Generalswitwe zu verheiraten. Seine Mutter Warwara bef\u00fcrwortet und unterst\u00fctzt diese Verbindung schon seit langem. W\u00e4hrend einer Zusammenkunft bei Julija Michailowna, der Frau des Gouverneurs von Lembke, wird Stawrogin im Beisein seiner Mutter von Lisaweta jedoch auf seine Beziehung mit Lebjadkins Schwester angesprochen. Was sagt sie zu ihm?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Nikolai Wsewolodowitsch, ein Hauptmann namens Lebjadkin, der sich Ihren Verwandten, den Bruder Ihrer Frau, nennt, schreibt mir fortw\u00e4hrend unpassende Briefe, beklagt sich darin \u00fcber Sie und erbietet sich, mir Geheimnisse zu enth\u00fcllen, die Sie betr\u00e4fen. Wenn er tats\u00e4chlich Ihr Verwandter ist, so verbieten Sie ihm doch, mich in dieser Weise zu beleidigen, und befreien Sie mich von diesen Bel\u00e4stigungen!<\/h3>\n<p>Zweiter Teil, elftes Kapitel, S.641<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Was gibt Stawrogin ihr zur Antwort und was geschieht daraufhin?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> \u201eJa, ich habe das Ungl\u00fcck, mit diesem Menschen verwandt zu sein. Ich bin der Mann seiner Schwester, einer geborenen Lebjadkina, schon seit fast f\u00fcnf Jahren. Sie k\u00f6nnen \u00fcberzeugt sein, dass ich ihm Ihr Verlangen in k\u00fcrzester Zeit \u00fcbermitteln werde, und ich stehe daf\u00fcr, dass er Sie nicht mehr inkommodieren wird.\u201d Niemals werde ich den Schrecken vergessen, der sich auf Warwara Petrownas Gesichte malte. Nikolai Wsewolodowitsch blickte sie an, blickte Lisa an, blickte die Zuschauer an und l\u00e4chelte auf einmal in einer grenzenlos hochm\u00fctigen Weise; ohne Eile verlie\u00df er das Zimmer.<\/h3>\n<p>Zweiter Teil, elftes Kapitel, S.642<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Kommen wir auf die Frau des Gouverneurs von Lembke zu sprechen. Im Gegensatz zu ihrem Mann, der in Pjotr Stepanowitsch und seinen Anh\u00e4ngern Feinde Russlands sieht, l\u00e4sst seine Frau sich vollkommen von Pjotr einnehmen. Welches Urteil f\u00e4llt der Erz\u00e4hler \u00fcber Julija Michailowna?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Den Ereignissen vorgreifend, bemerke ich, dass, wenn Julija Michailowna nicht einen solchen D\u00fcnkel und einen solchen Ehrgeiz besessen h\u00e4tte, vielleicht das, was diese sch\u00e4ndlichen Burschen bei uns nachher angerichtet haben, nicht geschehen w\u00e4re. Sie tr\u00e4gt dabei an vielem die Schuld.<\/h3>\n<p>Zweiter Teil, viertes Kapitel, S.416<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> K\u00f6nnen Sie Julija Michailownas naive Auffassung der Lage verdeutlichen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Die \u00c4rmste war mit einem Male ein Spielball der verschiedenartigsten Einfl\u00fcsse geworden, w\u00e4hrend sie sich gleichzeitig einbildete, v\u00f6llig selbst\u00e4ndig zu sein. Viele geschickte Menschen machten sich w\u00e4hrend der kurzen Zeit, wo sie bei uns Frau Gouverneur war, ihre Harmlosigkeit zunutze und verstanden es, ihr Sch\u00e4fchen zu scheren. Es gefiel ihr alles m\u00f6gliche: der Gro\u00dfgrundbesitz, und das aristokratische Element, und die Vermehrung der Amtsgewalt des Gouverneurs, und das demokratische Element, und die neuen Einrichtungen, und die alte Ordnung, und die Freidenkerei, und die sozialistischen Ideen, und der strenge Ton des aristokratischen Salons, und die beinah wirtshausm\u00e4\u00dfige Ungeniertheit der jungen Leute in ihrer Umgebung. Sie schw\u00e4rmte davon, unvers\u00f6hnliche Gegens\u00e4tze miteinander zu vers\u00f6hnen oder, richtiger gesagt, alle und alles in der Verg\u00f6tterung ihrer eigenen Person zu vereinigen. Sie hatte auch ihre Lieblinge; so gefiel ihr besonders Peter Stepanowitsch, der sich unter andern Mitteln auch der gr\u00f6bsten Schmeichelei bediente. Aber er gefiel ihr auch noch aus einem andern sehr wunderlichen und f\u00fcr die arme Dame h\u00f6chst charakteristischen Grunde: sie hoffte immer, er werde ihr eine ganze politische Verschw\u00f6rung aufdecken! Sie hatte die Vorstellung, er stehe mit allem, was es in Russland an revolution\u00e4ren Elementen gebe, in Verbindung, sei aber gleichzeitig ihr selbst bis zur Verg\u00f6tterung ergeben. Die Aufdeckung der Verschw\u00f6rung, der Dank aus Petersburg, die k\u00fcnftige Karriere, die Einwirkung auf die jungen Leute durch Freundlichkeit, um sie am Rande des Verderbens zur\u00fcckzuhalten: All diese Gedanken erf\u00fcllten ihren phantasievollen Kopf.<\/h3>\n<p>Zweiter Teil, sechstes Kapitel, S.452-453<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Sie hat sich in Pjotr Stepanowitsch stark get\u00e4uscht, denn dieser hat schon seit l\u00e4ngerem ein Komitee aus f\u00fcnf Personen gebildet. Er l\u00fcgt seinen Anh\u00e4ngern vor, dass solche Komitees in Moskau und ganz Russland eingerichtet sind, zentral gesteuert werden und in Verbindung mit der allgemeinen europ\u00e4ischen Revolutionspartei stehen. Er m\u00f6chte auch Stawrogin auf seine Seite bringen, doch dieser will mit einem Mord an Schatow, Lebjadkin und Marja nichts zu tun haben, was er Pjotr klar zu verstehen gibt.<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Ich werde Ihnen Schatow nicht \u00fcberlassen. Sie wollen durch diese Bindemittel Ihre Gruppen zusammenleimen. Aber mich, wozu in aller Welt haben Sie mich jetzt n\u00f6tig? Sie setzen mir fast von dem Augenblicke an zu, wo ich aus dem Auslande gekommen bin. Dabei w\u00fcnschen Sie, ich m\u00f6chte dadurch, dass ich Lebjadkin f\u00fcnfzehnhundert Rubel gebe, Ihren Fedka veranlassen, ihn zu ermorden. Ich wei\u00df, Sie haben die Vorstellung, es sei mir erw\u00fcnscht, wenn auch meine Frau gleichzeitig ermordet w\u00fcrde. Dadurch, dass Sie mich durch ein Verbrechen binden, hoffen Sie nat\u00fcrlich Gewalt \u00fcber mich zu erlangen; so ist es doch. Aber wozu wollen Sie \u00fcber mich Gewalt haben? Wozu wollen Sie mich gebrauchen? Sehen Sie mich doch ein f\u00fcr allemal n\u00e4her an, ob ich ein Mensch bin, der f\u00fcr Sie taugt, und lassen Sie mich dann in Ruhe!<\/h3>\n<p>Zweiter Teil, Achtes Kapitel, S.544<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Es gibt ein gro\u00dfes Fest, zu dem Julija Michailowna eingeladen hat, aber auf dem es zu tumultartigen Ausschreitungen kommt. Sie weist Pjotr Stepanowitsch die Schuld an diesen zu, weil er nicht anwesend war. Ihrer Meinung nach war das Ganze ein b\u00f6ser Komplott gegen sie und ihren Mann und noch dazu eine entsetzliche Schande. Welche Ausreden hat Pjotr Stepanowitsch, um sie zu bes\u00e4nftigen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Ein Komplott gegen Julija Michailowna, die doch gerade diese Menschen verzogen und patronisiert und ihnen all ihre leichtfertigen Streiche unverdienterma\u00dfen verziehen hat? Wovor habe ich sie gewarnt? Wozu in aller Welt hatten Sie denn dieses ganze Pack n\u00f6tig? Mussten Sie sich mit diesen gemeinen Menschen liieren? Um eine Vereinigung der Gesellschaft herbeizuf\u00fchren? Warum nehmen Sie die Schuld auf sich? Ist nicht weit eher das Publikum schuld, die alten V\u00e4ter, die Familienv\u00e4ter? Die mussten die Taugenichtse und Herumtreiber im Zaume halten. Aber was tun bei uns die Familienv\u00e4ter, die W\u00fcrdentr\u00e4ger, die Frauen und M\u00e4dchen in solchen F\u00e4llen? Sie schweigen und f\u00fchlen sich gekr\u00e4nkt.<\/h3>\n<p>Dritter Teil, Zweites Kapitel, S.689,694<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Trotz der Unruhen verzichtet Julija Michailowna nicht auf den abschlie\u00dfenden Tanzball, doch w\u00e4hrend des Balls bricht in einem  Stadtteil ein Feuer aus. Es ist Brandstiftung gewesen, und kurz darauf verbreitet sich die Nachricht, dass in der Nacht des Brandes der Hauptmann Lebjadkin, seine Schwester Marja und die Magd der beiden ermordet worden sind. Der T\u00e4ter ist der entlaufene Str\u00e4fling Fedka. Der Anstifter ist Pjotr Stepanowitsch und Strawogin wusste dar\u00fcber Bescheid. Lisaweta, die Stawrogin immer noch liebt, will von diesem die Wahrheit zu den Morden erfahren. Was antwortet Stawrogin ihr?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Ich habe sie nicht get\u00f6tet und bin dagegen gewesen; aber ich habe gewusst, dass sie get\u00f6tet werden w\u00fcrden, und habe die M\u00f6rder nicht zur\u00fcckgehalten. Gehen Sie von mir fort, Lisa!<\/h3>\n<p>Dritter Teil, Drittes Kapitel, S.740<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Lisaweta sucht den Ort auf, wo die Morde begannen worden sind und wird von der aufgebrachten Menge als die Geliebte Stawrogins erkannt. Daraufhin schlagen mehrere Personen auf sie ein und sie  stirbt kurz darauf an ihren Verletzungen. Stawrogin verl\u00e4sst die Stadt und geht nach St Petersburg. Pjotr Stepanowitsch sucht das F\u00fcnferkomitee auf und erkl\u00e4rt diesem, dass Schatow sie als Brandstifter denunzieren wolle. Deshalb m\u00fcsse er beseitigt werden. Kirillow werde den Mord auf sich nehmen. Aus einem fr\u00fcheren Gespr\u00e4ch zwischen Kirillow und Pjotr Stepanowitsch geht hervor, dass Stepanowitsch den Mord an Schatow schon seit langem kaltbl\u00fctig plante, denn was fragte Kirillow ihn damals?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> In der Gesellschaft wurde der Gedanke ausgesprochen, ich k\u00f6nnte mich dadurch n\u00fctzlich machen, dass ich mich t\u00f6tete; wenn Sie hier irgend etwas angerichtet h\u00e4tten und man nach den Schuldigen suchte, sollte ich mich erschie\u00dfen und einen Brief hinterlassen, dass ich alles getan h\u00e4tte, so dass auf Sie ein ganzes Jahr lang kein Verdacht fallen k\u00f6nnte. Das tue ich. Wird es bald soweit sein?<\/h3>\n<p>Zweiter Teil, sechstes Kapitel, S.492<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Kurz bevor Schatow ermordet wird, kehrt seine schwangere Frau Marja zu ihm zur\u00fcck. Sie bringt einen Jungen zur Welt, der Schatows Vornamen Iwan erhalten soll. Schatow freut sich auf einen Neubeginn mit seiner Frau und dem Kind. Doch was deutet Marja in einem ergreifenden Gespr\u00e4ch mit ihrem Mann an?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> \u201eBeugen Sie sich zu mir herunter!\u201d sagte sie auf einmal in seltsamem Tone, indem sie sich nach M\u00f6glichkeit bem\u00fchte, ihn nicht anzusehen. Er fuhr zusammen, beugte sich aber herab. \u201eNoch weiter \u2026 nicht so \u2026 n\u00e4her!\u201d Und auf einmal schlang sich ihr linker Arm ungest\u00fcm um seinen Hals, und er f\u00fchlte auf seiner Stirn einen kr\u00e4ftigen, herzlichen Kuss. \u201eMarja!\u201d Ihre Lippen bebten; sie suchte sich zu beherrschen; aber pl\u00f6tzlich richtete sie sich auf und sagte mit funkelnden Augen \u201eNikolai Stawrogin ist ein Schuft!\u201d<\/h3>\n<p>Dritter Teil, Drittes Kapitel, S.822<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Pjotr Stepanowitsch erkl\u00e4rt vor seinen Anh\u00e4ngern, dass er Schatows Denunziation mit eigenen Augen gesehen hat. Als Schatow an dem d\u00fcsteren Ort ankommt, zieht Stepanowitsch seinen Revolver, richtet ihn von vorne gegen Schatows Stirn und dr\u00fcckt ohne zu z\u00f6gern ab.  Danach eilt er zu Kirillow, der sich nun erschie\u00dfen und den Mord auf sich nehmen soll. Kirillow will durch seinen Selbstmord beweisen, dass Gott nicht existiert, denn durch seinen Selbstmord ist aller Willen sein geworden. Es gibt Gottes Willen nicht mehr, er selber ist Gott geworden. Kirillow unterschreibt ein Schriftst\u00fcck, in dem er bekennt, Schatow, Fedka, Lebjadkin und seine Schwester Marja get\u00f6tet zu haben. Dann erschie\u00dft er sich. Pjotr Stepanowitsch flieht ins Ausland. Sein Vater, Stepan Trofimowitsch, verl\u00e4sst die Stadt zu Fu\u00df und wird auf der Stra\u00dfe von Bauern gefunden, die ihn zu einem Gasthaus bringen. Da er fiebert, macht sich der Wirt Sorgen, denn er geh\u00f6re in ein Krankenhaus. Warwara Petrowna hat Erkundigungen eingezogen und findet ihn in der Herberge, wo sich die beiden ihre zwanzigj\u00e4hrige Liebe gestehen. Der ankommende Arzt verordnet dem Kranken Ruhe, aber Stepan Trofimowitsch stirbt drei Tage sp\u00e4ter. Kommen wir auf Warwaras Sohn Nikolai zu sprechen, und hier bekommt wie in vielen Ihrer Romane die Frage nach der Schuld eines  Menschen wieder ihre volle Bedeutung. Stawrogin hat die M\u00f6glichkeit mit Schatows Schwester Darja, die gleichzeitig die Pflegetochter seiner Mutter ist, in die Schweiz zu gehen. Dort k\u00f6nnte er in dem Kanton Uri ein zur\u00fcckgezogenes Leben f\u00fchren. Aber zu was entscheidet er sich?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">F. Dostojewski:<\/span> Warwara Petrowna eilte die Treppe hinauf, Darja ihr nach. Auf einem Tischchen lag ein St\u00fcck Papier, auf dem mit Bleistift geschrieben war: \u201eEs soll niemand beschuldigt werden; ich habe es selbst getan.\u201d Die starke seidene Schnur, an welcher sich Nikolai Wsewolodowitsch aufgeh\u00e4ngt hatte, war offenbar nach sorgsamer Auswahl vorher beschafft und reichlich mit Seife eingerieben worden. Alles zeugte von vorbedachter Absicht und klarer \u00dcberlegung bis zum letzten Augenblicke. Unsere \u00c4rzte stellten nach der Sektion das Vorhandensein von Geistesst\u00f6rung vollst\u00e4ndig und mit aller Entschiedenheit in Abrede.<\/h3>\n<p>Dritter Teil, Achtes Kapitel, S.929<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Fjodor Dostojewski, haben Sie vielen Dank f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-2266 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='2266' data-nonce='166a765446' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-2266 lc'>+1<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-2266 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Guten Tag, Herr Fjodor Dostojewski. Ich begr\u00fc\u00dfe Sie herzlich zu unserem Gespr\u00e4ch. Wir wollen \u00fcber Ihren Roman Die D\u00e4monen sprechen, der im Jahr 1873 ver\u00f6ffentlicht wurde, also in den Jahren, in denen revolution\u00e4re Unruhen Russland ersch\u00fctterten. Das Geschehen ereignet sich in der Provinz in der N\u00e4he von St Petersburg. 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