{"id":1815,"date":"2017-07-16T13:22:20","date_gmt":"2017-07-16T12:22:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=1815"},"modified":"2024-11-02T16:13:15","modified_gmt":"2024-11-02T15:13:15","slug":"interview-friedrich-nietzsche-ein-menschentypus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=1815","title":{"rendered":"Interview: Friedrich Nietzsche &#8211; Ein Menschentypus"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Ubermensch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Ubermensch.jpg\" alt=\"\" width=\"801\" height=\"100\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1818\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Ubermensch.jpg 801w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Ubermensch-300x37.jpg 300w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Ubermensch-768x96.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Friedrich Nietzsche, ich begr\u00fc\u00dfe Sie herzlich zu diesem Gespr\u00e4ch. In Ihrer Philosophie entwickeln Sie die Idee des \u00dcbermenschen. Was wollen Sie als erstes hierzu sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Friedrich Nietzsche:<\/span> Jeder auserlesene Mensch trachtet instinktiv nach seiner Burg und Heimlichkeit, wo er von der Menge, den Vielen, den Allermeisten erl\u00f6st ist, wo er die Regel \u201eMensch\u201d vergessen darf, als deren Ausnahme: &#8211; den Einen Fall ausgenommen, dass er von einem noch st\u00e4rkeren Instinkte geradewegs auf diese Regel gesto\u00dfen wird, als Erkennender im gro\u00dfen und ausnahmsweisen Sinne.<\/h3>\n<p>Friedrich Nietzsche, <i>Jenseits von Gut und B\u00f6se<\/i>, Philipp Reclam jun. GmbH &#038; Co. KG, Stuttgart, 2010, S.33<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Wer geh\u00f6rt zu diesen auserlesenen Menschen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Friedrich Nietzsche:<\/span> Es ist die Sache der Wenigsten, unabh\u00e4ngig zu sein: &#8211; es ist ein Vorrecht der Starken. Und wer es versucht, auch mit dem besten Rechte dazu, aber ohne es zu m\u00fcssen, beweist damit, dass er wahrscheinlich nicht nur stark, sondern bis zur Ausgelassenheit verwegen ist.<\/h3>\n<p><i>Jenseits von Gut und B\u00f6se<\/i>, S.37<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Nietzsche, Sie machen vor allem das Christentum daf\u00fcr verantwortlich, dass der Mensch unf\u00e4hig wurde, unabh\u00e4ngig sein zu k\u00f6nnen. Erl\u00e4utern Sie das bitte?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Friedrich Nietzsche:<\/span> Das Christentum hat einen Todkrieg gegen diesen h\u00f6heren Typus Mensch gemacht, es hat alle Grundinstinkte dieses Typus in Bann getan, es hat aus diesen Instinkten das B\u00f6se, den B\u00f6sen herausdestilliert: &#8211; der starke Mensch als der typisch Verwerfliche, der \u201everworfene Mensch\u201d. Das Christentum hat die Partei alles Schwachen, Niedrigen, Missratnen genommen, es hat ein Ideal aus dem Widerspruch gegen die Erhaltungs-Instinkte des starken Lebens gemacht; es hat die Vernunft selbst<br \/>\nder geistig st\u00e4rksten Naturen verdorben, indem es die obersten Werte der Geistigkeit als s\u00fcndhaft, als irref\u00fchrend, als Versuchungen empfinden lehrte.<\/h3>\n<p>Friedrich Nietzsche, <i>Der Antichrist, Versuch einer Kritik des Christentum<\/i>, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1986, S.14<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Welche Schl\u00fcsse sind daraus zu ziehen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Friedrich Nietzsche:<\/span> Es hilft nichts: man muss die Gef\u00fchle der Hingebung, der Aufopferung f\u00fcr den N\u00e4chsten, die ganze Selbstent\u00e4u\u00dferungs-Moral erbarmungslos zur Rede stellen und vor Gericht f\u00fchren.<\/h3>\n<p><i>Jenseits von Gut und B\u00f6se<\/i>, S.41<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Sie, Herr Nietzsche, haben eine gro\u00dfe Achtung vor dem Willen des Menschen, k\u00f6nnen Sie hierauf n\u00e4her eingehen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Friedrich Nietzsche:<\/span> Ein Mensch, der will -, befiehlt einem Etwas in sich, das gehorcht oder von dem er glaubt, dass es gehorcht. \u201eFreiheit des Willens\u201d- das ist das Wort f\u00fcr jenen vielfachen Lust-Zustand des Wollenden, der befiehlt und sich zugleich mit dem Ausf\u00fchrenden als Eins setzt, &#8211; der als solcher den Triumph \u00fcber Widerst\u00e4nde mit genie\u00dft, aber bei sich urteilt, sein Wille selbst sei es, der eigentlich die Widerst\u00e4nde \u00fcberwinde. Der Wollende nimmt dergestalt die Lustgef\u00fchle der ausf\u00fchrenden, erfolgreichen Werkzeuge, der dienstbaren \u201eUnterwillen\u201d, oder Unter-Seelen \u2013 unser Leib ist ja nur ein Gesellschaftsbau vieler Seelen \u2013 zu seinem Lustgef\u00fchle als Befehlender hinzu.\u201d<\/h3>\n<p><i>Jenseits von Gut und B\u00f6se<\/i>, S.24-25<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Und welche Zukunftsperspektive sehen Sie f\u00fcr die Menschheit?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Friedrich Nietzsche:<\/span> Die Menschheit stellt nicht eine Entwicklung zum Besseren oder St\u00e4rkeren oder H\u00f6heren dar, in der Weise, wie dies heute geglaubt wird. Der Fortschritt ist blo\u00df eine moderne Idee, das hei\u00dft eine falsche Idee. In einem andren Sinne gibt es ein fortw\u00e4hrendes Gelingen einzelner F\u00e4lle an den verschiedensten Stellen der Erde und aus den verschiedensten Kulturen heraus, mit denen in der Tat sich ein h\u00f6herer Typus darstellt; etwas, das im Verh\u00e4ltnis zur Gesamt-Menschheit eine Art \u00dcbermensch ist. Solche Gl\u00fccksf\u00e4lle des gro\u00dfen Gelingens waren immer m\u00f6glich und werden vielleicht immer m\u00f6glich sein.<\/h3>\n<p>Friedrich Nietzsche, <i>Der Antichrist, Versuch einer Kritik des Christentum<\/i>, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1986, S.13-14 <\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Friedrich Nietzsche, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-1815 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='1815' data-nonce='166a765446' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-1815 lc'>+2<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-1815 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Herr Friedrich Nietzsche, ich begr\u00fc\u00dfe Sie herzlich zu diesem Gespr\u00e4ch. 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