{"id":1622,"date":"2016-12-18T11:02:35","date_gmt":"2016-12-18T10:02:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=1622"},"modified":"2024-11-03T17:30:23","modified_gmt":"2024-11-03T16:30:23","slug":"interview-nietzsche-die-ideale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=1622","title":{"rendered":"Interview: Friedrich Nietzsche &#8211; Die Ideale"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Ideale.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Ideale.png\" alt=\"\" width=\"801\" height=\"100\" class=\"alignnone size-full wp-image-2995\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Ideale.png 801w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Ideale-300x37.png 300w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Ideale-768x96.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Guten Tag Herr Friedrich Nietzsche, ich freue mich, dass Sie zu diesem Gespr\u00e4ch gekommen sind. Wir wollen in diesem \u00fcber die Ideale sprechen. Sie schreiben in <i>Menschliches, Allzumenschliches<\/i>, dass Sie sich von den Idealen losgel\u00f6st haben. K\u00f6nnen Sie das erl\u00e4utern?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Friedrich Nietzsche:<\/span> \u201eMenschliches, Allzumenschliches\u201d ist das Denkmal einer Krisis. Es hei\u00dft sich ein Buch f\u00fcr freie Geister: fast jeder Satz darin dr\u00fcckt einen Sieg aus \u2013 ich habe mich mit demselben vom  Unzugeh\u00f6rigen in meiner Natur freigemacht. Unzugeh\u00f6rig ist mir der Idealismus: der Titel sagt \u201ewo ihr ideale Dinge seht, sehe ich \u2013 Menschliches, ach nur Allzumenschliches!\u201d <\/h3>\n<p>Friedrich Nietzsche, <i>Ecce homo, Wie man wird, was man ist &#8211; Ecce homo, Comment on devient ce que l\u2018on est<\/i>, Editions Gallimard, folio bilingue, 1977,2012, S.210<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Was werfen Sie den Idealen eigentlich vor?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Friedrich Nietzsche:<\/span> Die L\u00fcge des Ideals war bisher der Fluch \u00fcber die Realit\u00e4t, die Menschheit selbst ist durch sie bis in ihre untersten Instinkte hinein verlogen und falsch geworden. Ich widerlege die Ideale nicht, ich ziehe bloss Handschuhe vor ihnen an.<\/h3>\n<p><i>Ecce Homo<\/i>, S. 26,30<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Und welchen Stellenwert erh\u00e4lt hierbei die Moral?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Friedrich Nietzsche:<\/span> Wie es im Reich der Sterne mitunter zwei Sonnen sind, welche die Bahn eines Planeten bestimmen, wie in gewissen F\u00e4llen Sonnen verschiedener Farbe um einen einzigen Planeten leuchten, bald mit rotem Lichte, bald mit gr\u00fcnem Lichte, und dann wieder gleichzeitig ihn treffend und bunt \u00fcberflutend: so sind wir modernen Menschen, Dank der komplizierten Mechanik unsres \u201eSternenhimmels\u201d \u2013 durch verschiedene Moralen bestimmt; unsre Handlungen leuchten abwechselnd in verschiedenen Farben, sie sind selten eindeutug, &#8211; und es gibt genug F\u00e4lle, wo wir bunte Handlungen tun.<\/h3>\n<p><i>Jenseits von Gut und B\u00f6se<\/i>, S.132<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Kommen wir auf das Gewissen zu sprechen, wie sehen Sie dieses?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Friedrich Nietzsche:<\/span> Es ist mir g\u00e4nzlich entgangen, inwiefern ich \u201es\u00fcndhaft\u201d sein sollte. Insgleichen fehlt mir ein zuverl\u00e4ssiges Kriterium daf\u00fcr, was ein Gewissensbiss ist. Ich m\u00f6chte nicht eine Handlung hintendrin im Stich lassen, ich w\u00fcrde vorziehn, den schlimmen Ausgang, die Folgen grunds\u00e4tzlich aus der Wertfrage wegzulassen. Man verliert beim schlimmen Ausgang gar zu leicht den richtigen Blick f\u00fcr Das, was man tat: ein Gewissensbiss scheint mir eine Art \u201eb\u00f6ser Blick\u201d. Etwas, das fehlschl\u00e4gt, um so mehr bei sich in Ehren halten, weil es fehlschlug \u2013 das geh\u00f6rt eher schon zu meiner Moral.<\/h3>\n<p><i>Ecce homo<\/i>, S. 82,84<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Sie f\u00fchlen sich Ihrer Zeit weit voraus und bezeichnen sich als die Erstlinge des zwanzigsten Jahrhunderts. Was bef\u00fcrworten diese Menschen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Friedrich Nietzsche:<\/span> Wir Europ\u00e4er von \u00dcbermorgen, wir Erstlinge des zwanzigsten Jahrhunderts, &#8211; mit aller unsrer gef\u00e4hrlichen Neugierde, unsrer Vielf\u00e4ltigkeit und Kunst der Verkleidung, unsrer m\u00fcrben und gleichsam vers\u00fc\u00dften Grausamkeit in Geist und Sinnen, &#8211; wir werden vermutlich, wenn wir Tugenden haben sollten, nur solche haben, die sich mit unsren heimlichsten und herzlichsten H\u00e4ngen, mit unsern hei\u00dfesten Bed\u00fcrfnissen am besten vertragen lernten.<\/h3>\n<p>Friedrich Nietzsche, <i>Jenseits von Gut und B\u00f6se<\/i>, Reclam Universal-Bibliothek, Stuttgart, 2010, S.131<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Friedrich Nietzsche, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-1622 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='1622' data-nonce='166a765446' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-1622 lc'>0<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-1622 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Guten Tag Herr Friedrich Nietzsche, ich freue mich, dass Sie zu diesem Gespr\u00e4ch gekommen sind. 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