{"id":1285,"date":"2015-10-11T12:01:11","date_gmt":"2015-10-11T11:01:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=1285"},"modified":"2024-11-02T16:37:23","modified_gmt":"2024-11-02T15:37:23","slug":"interview-teilhard-de-chardin-gott-und-die-evolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=1285","title":{"rendered":"Interview: Pierre Teilhard de Chardin &#8211; Gott und die Evolution"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Gott_und_Evolution.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1288\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Gott_und_Evolution.jpg\" alt=\"Gott_und_Evolution\" width=\"640\" height=\"80\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Gott_und_Evolution.jpg 640w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Gott_und_Evolution-300x38.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Guten Tag, Herr Pierre Teilhard de Chardin, ich danke Ihnen, dass Sie zu diesem Gespr\u00e4ch gekommen sind, in dem wir der Frage nachgehen wollen, wie ein Christ in der modernen Welt seinen Glauben leben kann. Sie sind ein anerkannter Wissenschaftler. Was k\u00f6nnen Sie von der Wissenschaft aus betrachtet in Hinsicht auf ein g\u00f6ttliches Wirken in der Welt sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Teilhard de Chardin:<\/span> Ob es sich nun um gew\u00f6hnliche Vorsehung oder um wunderbare Vorsehung oder sogar um wunderbare Fakten handelt, wir werden wissenschaftlich niemals dazu gef\u00fchrt, Gott zu sehen, weil das g\u00f6ttliche Wirken niemals als Bruch der physikalischen oder physiologischen Gesetze in Erscheinung tritt, mit denen die Wissenschaft sich allein befasst. Wir werden wissenschaftlich niemals aus dem Kreis der nat\u00fcrlichen Erkl\u00e4rungen herauskommen. Damit m\u00fcssen wir uns abfinden.<\/h3>\n<p>Pierre Teilhard de Chardin, <i>Mein Glaube, Werke: Band 10<\/i>, Walter-Verlag, Olten, 1982, S.37<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Kann der Mensch dennoch das G\u00f6ttliche erkennen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Teilhard de Chardin:<\/span> Im eigentlichen Sinne gesprochen <i>macht<\/i> Gott <i>nicht<\/i>: er <i>l\u00e4sst<\/i> die Dinge <i>sich machen<\/i>. Deshalb ist dort, wo er wirkt, kein Einbruch, keine Spalte. Das Netz der Determinismen bleibt unversehrt &#8211; die Harmonie der organischen Entwicklungen setzt sich ohne Dissonanz fort. Und dennoch ist der Herr in sein Eigentum gekommen.<\/h3>\n<p><i>Mein Glaube<\/i>, S.36<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> K\u00f6nnen Sie erkl\u00e4ren, was das konkret f\u00fcr den glaubenden Menschen bedeutet?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Teilhard de Chardin:<\/span> Wenn der Mensch an Gott glaubt, organisieren sich sogleich um ihn die Elemente des Unvermeidlichen zu einem freundlichen, auf den endg\u00fcltigen Erfolg des Lebens hingeordneten Ganzen. F\u00fcr den Gl\u00e4ubigen bleibt jedes Ding, \u00e4u\u00dferlich und individuell, was es f\u00fcr alle Welt ist: und doch passt die g\u00f6ttliche Allmacht zu seinem Gebrauch das Ganze mit Sorgfalt an. Eine unfehlbare Synthese des Ganzen, die durch kombinierten inneren und \u00e4u\u00dferen Einfluss gelenkt wird, das scheint also letzten Endes die allgemeinste und vollkommenste Gestalt des g\u00f6ttlichen Einwirkens auf die Welt zu sein.<\/h3>\n<p><i>Mein Glaube<\/i>, S.45<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Wie sehen Sie Jesus Christus in dieser <i>unfehlbaren Synthese des Ganzen<\/i>?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Teilhard de Chardin:<\/span> Nach fast 2000 Jahren muss Christus wiedergeboren werden, muss er sich reinkarnieren in eine Welt, die allzusehr von der verschieden geworden ist, in der er gelebt hat. Jesus vermag nicht greifbar wieder unter uns zu erscheinen. Doch kann er unserem Geist einen triumphierenden und neuen Aspekt seines alten Antlitzes bekunden. Der Messias, den wir unzweifelhaft alle erwarten, ist, glaube ich, der Christus Universalis, das hei\u00dft der Christus der Evolution.<\/h3>\n<p><i>Mein Glaube<\/i>, S.115<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Ich bitte Sie, das im Hinblick auf das Dogma der Erl\u00f6sung zu erkl\u00e4ren.<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Teilhard de Chardin:<\/span> Beim Dogma der Erl\u00f6sung haben das christliche Denken und die christliche Fr\u00f6mmigkeit bisher vor allem die Vorstellung von der s\u00fchnenden Wiederherstellung bedacht. Christus wurde vor allem als das Lamm gesehen, das mit den S\u00fcnden der Welt beladen ist, und die Welt vor allem als eine gefallene Masse. Doch das Bild enthielt von Anfang an auch ein anderes diesmal positives Element des Wiederaufbaus oder der Neusch\u00f6pfung. Neue Himmel, eine neue Erde.<\/h3>\n<p><i>Mein Glaube<\/i>, S.173-174<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Das ist sehr optimistisch gesehen, und was bedeutet es f\u00fcr den Christen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Teilhard de Chardin:<\/span> Befragen wir die Massen junger Christen, die aufsteigen. Befragen wir uns selbst. Muss das Aufbl\u00fchen, der religi\u00f6se Aufbruch, den wir alle mehr oder weniger bewusst suchen und erwarten, nicht von einer erneuerten Christologie ausgehen, in der die Wiedergutmachung im Heilswirken des Wortes doch an die zweite Stelle r\u00fcckt. Nicht mehr zuerst s\u00fchnen und dar\u00fcber hinaus wiederherstellen; sondern zuerst schaffen und deshalb gegen das \u00dcbel k\u00e4mpfen und f\u00fcr es bezahlen. Unter diesem Winkel angegangen, scheint der \u00dcbergang, die Transformation zwischen Erl\u00f6sung und Evolution m\u00f6glich.<\/h3>\n<p><i>Mein Glaube<\/i>, S.174-175<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> K\u00f6nnen Sie nochmals erkl\u00e4ren, wie das Kreuz Christi hierbei zu verstehen ist?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Teilhard de Chardin:<\/span> Ein Kreuz, das, weit mehr als den ges\u00fchnten Fehler, den Aufstieg der Sch\u00f6pfung durch Anstrengung symbolisiert. Das Lamm Gottes, das mit den S\u00fcnden das Gewicht der Fortschritte der Welt tr\u00e4gt. Die Vorstellung von Vergebung und Opfer verwandelt sich durch Reicherwerden ihrer selbst in die Vorstellung der Vollendung und Eroberung. Mit anderen Worten, der Christus-Redemptor vollendet sich, ohne irgendwie sein leidendes Antlitz abzuschw\u00e4chen, in der dynamischen F\u00fclle eines Christus-Evolutor.<\/h3>\n<p><i>Mein Glaube<\/i>, S.175<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Teilhard de Chardin, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-1285 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='1285' data-nonce='166a765446' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-1285 lc'>+2<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-1285 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie: Guten Tag, Herr Pierre Teilhard de Chardin, ich danke Ihnen, dass Sie zu diesem Gespr\u00e4ch gekommen sind, in dem wir der Frage nachgehen wollen, wie ein Christ in der modernen Welt seinen Glauben leben kann. 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