{"id":1184,"date":"2015-07-16T15:14:40","date_gmt":"2015-07-16T14:14:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=1184"},"modified":"2024-11-02T16:38:24","modified_gmt":"2024-11-02T15:38:24","slug":"interview-de-gaulle-john-f-kennedy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/?p=1184","title":{"rendered":"Interview: Charles De Gaulle &#8211; John F. Kennedy"},"content":{"rendered":"<h3><a href=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/JFKby2Gaulle.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1187\" src=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/JFKby2Gaulle.jpg\" alt=\"JFKby2Gaulle\" width=\"800\" height=\"100\" srcset=\"https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/JFKby2Gaulle.jpg 800w, https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/JFKby2Gaulle-300x38.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span>\u00a0Guten Tag, Herr Charles de Gaulle, ich freue mich, dass Sie zu diesem Gespr\u00e4ch gekommen sind, in dem wir von Ihrer Beziehung zu dem US-Pr\u00e4sidenten John F. Kennedy sprechen wollen. 1961 kam er mit seiner Gattin Jacqueline Kennedy nach Frankreich. Wie verlief dieser Besuch?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Charles de Gaulle:<\/span> Am 31. Mai 1961 kommt John Kennedy in Paris an, \u00fcberquellend von Dynamik, umgeben von einer Atmosph\u00e4re lebhafter Neugier, mit seiner strahlenden und gebildeten Gemahlin ein ungemein charmantes Paar. Die Aufnahme durch die Bev\u00f6lkerung atmet h\u00f6chste Sympathie. Die offiziellen Empf\u00e4nge in der Hauptstadt und im Schloss von Versailles sind \u00e4u\u00dferst glanzvoll.<\/h3>\n<p>Charles de Gaulle, <i>Memoiren der Hoffnung<\/i>, Verlag Fritz Molden, Wien-M\u00fcnchen-Z\u00fcrich, 1971, S.309<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span>\u00a0In Ihren Gespr\u00e4chen mit dem Pr\u00e4sidenten erkl\u00e4rten Sie ihm, dass Ihre Zusammenarbeit mit den USA keine wirtschaftliche als auch politische Unterordnung Europas bedeuten k\u00f6nnte. Au\u00dferdem best\u00e4rkten Sie die Unabh\u00e4ngigkeit Frankreichs. Wie nahm Kennedy diese Forderungen auf?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Charles de Gaulle:<\/span> Es zeigt sich, dass die Einstellung der Vereinigten Staaten zu Frankreich eine entschiedene Wandlung erfahren hat! Die Zeit ist lang vorbei, in der sich &#8211; von der traditionellen Freundschaft einmal abgesehen &#8211; Washington damit begn\u00fcgte, Paris als einen unter vielen Schutzbefohlenen anzusehen, mit dem man, so wie mit den anderen, nur im Rahmen kollektiver Organisationen wie NATO, SEATO, UNO, OECD, IWF usw. verhandelte. Jetzt haben sich die Amerikaner mit unserer Unabh\u00e4ngigkeit abgefunden und reden mit uns unmittelbar und gesondert. Trotzdem k\u00f6nnen sie sich nicht vorstellen, dass ihrem Vorgehen nicht mehr der Primat zukommen soll und wir unseren eigenen Weg gehen k\u00f6nnten. Im Grunde schl\u00e4gt Kennedy mir vor, in jedem seiner Vorhaben eine Rolle zu \u00fcbernehmen. Meine Antwort darauf lautet, Paris sei sicherlich zu einer engen Abstimmung mit Washington sehr bereit, aber was Frankreich tue, tue es aus eigenem Wollen.<\/h3>\n<p><i>Memoiren der Hoffnung<\/i>, S.309<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Und was war Kennedys Hauptanliegen Europa betreffend?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Charles de Gaulle:<\/span> Vor allem liegt ihm die beherrschende Lage seines Landes in der Verteidigung des Westens am Herzen. Er vollbringt wahre Kunstst\u00fccke, um sie ohne den Anschein eines Versto\u00dfes gegen die franz\u00f6sische Unabh\u00e4ngigkeit aufrechtzuerhalten. Hinsichtlich des eventuellen Einsatzes von Atomwaffen betont er, Amerika w\u00fcrde sich dazu eher entschlie\u00dfen, als Westeuropa in sowjetische H\u00e4nde fallen zu lassen.<\/h3>\n<p><i>Memoiren der Hoffnung<\/i>, S.311-312<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span>\u00a0Wie sch\u00e4tzte er hierbei den sowjetischen Staatspr\u00e4sidenten Nikita Chruschtschow ein?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Charles de Gaulle:<\/span> John Kennedy zeigt sich ziemlich unruhig \u00fcber das, was zwischen ihm und Nikita Chruschtschow geschehen wird. \u201eIch gehe lediglich nach Wien\u201c, sagt er mir, \u201eum ihm eine Freundlichkeit zu erweisen, Kontakt aufzunehmen und Gedanken auszutauschen.\u201c Diese Zur\u00fcckhaltung scheint mir weise. Ich sage das dem Pr\u00e4sidenten und fahre fort: \u201eDa man sich nicht schl\u00e4gt und der kalte Krieg sehr teuer ist, kann der Friede die Zukunft sein. Er l\u00e4sst sich aber nur durch eine allgemeine und langanhaltende Entspannung ins Werk setzen.\u201c<\/h3>\n<p><i>Memoiren der Hoffnung<\/i>, S.312<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span>\u00a0Und wie beurteilte Kennedy die Lage in Indochina?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Charles de Gaulle:<\/span> John Kennedy macht mir klar, auf der indochinesischen Halbinsel einen Damm des Widerstands gegen die Sowjets zu errichten. \u201eF\u00fcr Sie\u201c, sage ich ihm, \u201ewird das Eingreifen in diesem Gebiet ein Fass ohne Boden sein. Ist eine Nation erst einmal erwacht, dann kann sich ihr keine fremde Macht mehr aufzwingen, und seien ihre Mittel noch so gro\u00df. Denn wenn Sie auch an Ort und Stelle Regierende finden, die aus Eigeninteresse bereit sind, Ihnen zu gehorchen, so lassen sich doch die V\u00f6lker nicht dazu herbei, die Sie im \u00fcbrigen auch gar nicht rufen. Je mehr Sie sich dort hinten gegen den Kommunismus engagieren, desto mehr werden die Kommunisten als Vork\u00e4mpfer der nationalen Unabh\u00e4ngigkeit gelten, desto mehr Helfershelfer finden, in erster Linie bei den Verzweifelten. Kenndy h\u00f6rt mir zu. Aber die Ereignisse werden zeigen, dass ich ihn nicht \u00fcberzeugen konnte.\u201c<\/h3>\n<p><i>Memoiren der Hoffnung<\/i>, S.310-311<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Wie beurteilte John F. Kennedy seinen Staatsbesuch nach seiner R\u00fcckkehr in die USA?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Charles de Gaulle:<\/span> Er wird nach seiner R\u00fcckkehr nach Washington in einer Rede an das amerikanische Volk am 6. Juni sagen: \u201eIch habe in General de Gaulle einen umsichtigen Ratgeber f\u00fcr die Zukunft und einen erleuchteten F\u00fchrer f\u00fcr die Geschichte gefunden, die er selbst mitgestaltet hat. Ich w\u00fcsste keinen, dem ich mehr vertrauen k\u00f6nnte.\u201c<\/h3>\n<p><i>Memoiren der Hoffnung<\/i>, S.313<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> M\u00f6chten Sie abschlie\u00dfend noch etwas\u00a0sagen?<\/h3>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Charles de Gaulle:<\/span> John Kennedy. Zum Handeln bestimmt, aber nur mit knappster Mehrheit gew\u00e4hlt; an der Spitze eines kolossalen Landes, das aber mit schweren inneren Problemen ringt; zu schnellem und kr\u00e4ftigem Vorgehen geneigt, aber behindert durch die schwerf\u00e4llige Maschinerie der Bundesbeh\u00f6rden und -dienststellen; auftretend zu einer Zeit, da Amerikas Macht und Ruhm die Weltszene weithin beherrschen, all seine Wunden aber schw\u00e4ren und ihm ein feindseliger, monolithischer Block gegen\u00fcbersteht; im Genuss des seiner Jugend gew\u00e4hrten Vertrauens, aber auch von Zweifeln umgeben, die dem Novizen gelten, ist der neue Pr\u00e4sident trotz so vieler Hindernisse entschlossen, sich seine Sporen im Dienste der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Fortschritts zu verdienen.<\/h3>\n<p><i>Memoiren der Hoffnung<\/i>, S.308<\/p>\n<h3><span style=\"color: #3366ff;\">Orelie:<\/span> Herr Charles de Gaulle, ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch<\/h3>\n<div class='watch-action'><div class='watch-position align-right'><div class='action-like'><a class='lbg-style1 like-1184 jlk' href='javascript:void(0)' data-task='like' data-post_id='1184' data-nonce='166a765446' rel='nofollow'><img class='wti-pixel' src='https:\/\/www.einjahrzitate.de\/wp-content\/plugins\/wti-like-post\/images\/pixel.gif' title='Interessant' \/><span class='lc-1184 lc'>+1<\/span><\/a><\/div><\/div> <div class='status-1184 status align-right'><\/div><\/div><div class='wti-clear'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orelie:\u00a0Guten Tag, Herr Charles de Gaulle, ich freue mich, dass Sie zu diesem Gespr\u00e4ch gekommen sind, in dem wir von Ihrer Beziehung zu dem US-Pr\u00e4sidenten John F. 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